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KREIS BORKEN. Der Kreispolizei Borken ist ein Schlag gegen einen Betrügerring gelungen, der vorzugsweise bei älteren Leuten mit dem Trick des „falschen Polizisten“ Geld und Schmuck ergaunerte. Die eigens eingerichtete Ermittlungskommission nahm in den vergangenen Tagen mehrere Personen fest, die im dringenden Verdacht stehen, als Boten Teil des Betrügerrings gewesen zu sein. Es handelt sich um sechs Männer und drei Frauen aus Bocholt (18 bis 47 Jahre alt) sowie eine 29-Jährige und einen 33-Jährigen aus Monheim am Rhein. Außerdem wurden acht Wohnungen in Bocholt und eine Wohnung in Monheim durchsucht. Die Ermittler stellten dabei zahlreiche Beweismittel sicher, unter anderem Schmuck, Bargeld in vierstelliger Höhe und Mobiltelefone.

Bei einer Durchsuchung in Bocholt leisteten ein 25-Jähriger, sein Bruder und sein Vater erheblichen Widerstand. Der 25-Jährige schlug einem der Beamten mit der Faust ins Gesicht. Dazu wurde ein gesondertes Strafverfahren eingeleitet.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden die betrügerischen Anrufe aus einem Callcenter in der Türkei geführt. Von dort wurden “Abholer” zu den Wohnanschriften der Opfer geschickt, sobald diese überzeugt werden konnten, dass ihre Wertsachen zuhause nicht sicher seien und dringend an angebliche Polizeibeamte übergeben werden müssten. Teilweise handelte es sich bei den Abholern um ahnungslose Personen, die sich über Internetportale auf eine Stelle als Kurierfahrer bewarben und gutgläubig handelten. Bei den meisten der nun Beschuldigten besteht aber der Verdacht, dass sie unmittelbaren Kontakt mit dem türkischen Callcenter unterhielten und sich nicht nur um Geldabholungen, sondern auch um den Einsatz erbeuteter EC-Karten an Geldautomaten, um den Verkauf von Gold und Schmuck und um den Geldtransfer in die Türkei kümmerten.

Die Tatverdächtigen sind teilweise geständig. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Münster wurden die 26- und 27-jährigen Bocholterinnen und zwei Bocholter im Alter von 25 und 47 Jahren dem Haftrichter vorgeführt. Es erging in allen vier Fällen ein Haftbefehl. Die Personen befinden sich inzwischen in Justizvollzugsanstalten. Der Vorwurf lautet gewerbs- und bandenmäßiger Betrug. Dabei handelt es sich um einen Verbrechenstatbestand, der mit Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bis zu zehn Jahren unter Strafe gestellt ist. Konkret werden den Inhaftierten bislang 16 Taten mit einer Gesamtschadenssumme in einer Höhe von ca. 96.000 Euro vorgeworfen.

Die Ermittlungen dauern an, da der Verdacht besteht, dass weitaus mehr Taten (ca. 200) mit einer Gesamtschadenshöhe von ca. 275.000 Euro auf das Konto der Bande gehen. Die örtlichen Schwerpunkte der Taten lagen im Großraum Bocholt aber auch im Ruhrgebiet. Glücklicherweise fielen die meisten Geschädigten nicht auf die Masche herein, so dass es überwiegend bei Betrugsversuchen blieb. Die Täter gingen teilweise äußerst perfide vor. Beispielsweise wurde eine 95-jährige Seniorin von einer der Beschuldigten mit einem Pkw zu deren Hausbank gefahren, um dort vermutetes Bargeld erlangen zu können. Der Versuch misslang aber. Unter dem Vorwand, dass in der Nachbarschaft Straftaten verübt worden seien, wurden einige Senioren über Tage massiv unter Druck gesetzt. Sie wurden gezielt angewiesen, sich niemandem anzuvertrauen, um die angeblichen polizeilichen Ermittlungen nicht zu gefährden. Diese Zeit nutzten die Täter, um das jeweilige EC-Karten-Tageslimit über längere Zeit auszuschöpfen. Der Großteil der Beute wurde durch die Bande in die Türkei transferiert. Die Ermittlungen zu den in der Türkei handelnden Tätern dauern an. (pd/kre)