Das Exportgeschäft im Münsterland war schon einmal deutlich besser. Foto: pexels.com

MÜNSTERLAND. Der Auslandsumsatz der regionalen Wirtschaft war 2020 so niedrig wie zuletzt vor zehn Jahren. Das zeigt eine Auswertung von Landeszahlen durch die IHK Nord Westfalen. Danach ist der Warenwert der Exporte von Unternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region im vergangenen Jahr auf 15,1 Milliarden Euro gefallen. Der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr war mit 13,4 Prozent zudem deutlich stärker als im Landesdurchschnitt (- 10,6 Prozent).

„Natürlich ist der tiefe Einschnitt vor allem eine Folge der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen im internationalen Geschäft“, betont IHK-Außenhandelsexperte Gerhard Laudwein. Allerdings könne die Exportwirtschaft schon seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr an frühere Wachstumserfolge anknüpfen. Als weiteren klar erkennbaren Grund für den Rückgang der Exporte nennt Laudwein den Brexit: „Wir stellen schon seit längerer Zeit fest, dass das Vereinigte Königreich als Exportmarkt an Attraktivität verloren hat.“ Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes lagen die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich im Januar rund 30 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonates.

Insgesamt hat die regionale Industrie 2020 im Ausland rund 2,3 Milliarden Euro weniger umgesetzt als im Vorjahr. „Das ist mehr als der Jahresumsatz unserer Region mit den Niederlanden“, verdeutlicht Laudwein die Größenordnung des Einschnitts. Besonders betroffen war der vom Maschinenbau dominierte Kreis Warendorf. Dort gingen die Auslandsumsätze um fast ein Viertel (22,5 Prozent) zurück, während der Rückgang der Unternehmen in Münster mit 9,7 Prozent am geringsten war. Im Kreis Borken lag der Rückgang bei 10 Prozent.

„Die Unternehmen versuchen durch die Reduzierung ihrer Kosten, die Umsatzeinbußen aufzufangen“, erläutert Laudwein. Dies gelinge jedoch nur zum Teil, auch wenn die verringerte Reisetätigkeit dazu beitrage. Auf der anderen Seite fehle den Unternehmen immer stärker der direkte Kontakt zu den Kunden, berichtet Laudwein aus seinen täglichen Gesprächen mit Unternehmen. „Es kann nur besser werden“, fasst er die Stimmung in der Außenwirtschaft zusammen, „ein großer Teil der Betriebe geht davon aus, dass die Talsohle durchschritten ist“. Laut aktueller IHK-Konjunkturumfrage rechnet jedes dritte Unternehmen in den nächsten Monaten wieder mit besseren Geschäften im Ausland.

Rund 3000 Unternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region unterhalten Ex- bzw. Importbeziehungen mit Geschäftspartnern im Ausland. Die Unternehmen erwirtschafteten in 2020 einen Exportumsatz von 15,1 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Exportquote von 40,5 Prozent. Hauptexportgüter sind chemische Produkte und Produkte des Maschinenbaus. (pd/kre)