Foto: Jan Schulze Dinkelborg

KREIS BORKEN. Der Start der Getreideernte im Kreis Borken Anfang Juli fiel mit der Tour de France zusammen. Aber während die Rennfahrer beim berühmtesten Radrennen der Welt längst durch sind, dauert das Etappenrennen für die Landwirte im Westmünsterland weiter an. „Im Takt des wechselhaften Wetters sind Mensch und Maschinen in dieser Erntesaison im Stop-and-Go-Modus unterwegs. Die Gerste ist überall durch. Triticale und Weizen sind nun dran, Roggen braucht noch etwas“, schreibt Stephan Wolfert, Pressesprecher des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Borken. Bei der Einschätzung der Ernte-Ergebnisse seien die Landwirte etwas gespalten. Mut mache der Ausblick auf den Mais.

Nach etwa zwei Wochen regenbedingter Pause rollten die Drescher in der vergangenen Woche wieder, so auch auf den Flächen von Heinz-Josef Elpers in Ahaus-Wessum. Der stellvertretende Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes konnte am Donnerstagabend seinen letzten Weizen ernten. Dabei ging der bange Blick immer wieder Richtung bewölktem Himmel: „Die trockenen Zeitfenster müssen Landwirte und Lohnunternehmen in diesem Sommer im Sprint gemeinsam nutzen. Vor fünfzig Jahren hätten wir in der derzeitigen Wettersituation für viele Bestände Totalverlust melden müssen. Heutzutage sind unsere Lohnunternehmen mit der modernen Technik so schlagkräftig, dass die Ernte fast überall gerettet werden kann.” Daher werde es auch in den kommenden Wochen an trockenen Tagen immer wieder punktuell zu starkem Verkehrsaufkommen kommen, teilweise bis in die Nacht, schätzt Elpers beim Blick auf die Wetteraussichten: „Dafür bitten wir Landwirte um Verständnis. Als Bauernverband rufen wir aber explizit beide Seiten zu gegenseitiger Rücksichtnahme auf.”

Speziell für die Bergung des Strohs bereitet die derzeitige Wettersituation Probleme. Die Mähdrescher ernten nur die Getreidekörner. Zur Strohgewinnung verbleibt die nach der Körnergewinnung hinten aus dem Drescher ausgeworfene Restpflanze zunächst mehrere Tage zur Trocknung auf dem Feld, ehe sie schließlich in Ballen gepresst und abgeholt wird. Das Stroh dient dann später als Einstreu für die Ställe oder als Tierfutter.

Entscheidend für den Ernteerfolg ist für die meisten Landwirte hier in der Region aber das Korn. Die Pflanzenbauberatung der Kreisstelle Borken der Landwirtschaftskammer NRW vermeldet in der Gesamtschau durchschnittliche Getreide-Ergebnisse, also schlechter als von vielen zuvor erhofft, weiß Pflanzenbauberater Martin Finke zu berichten: „Die Kulturen hatten in den letzten Wochen dem Auge nach einen besseren Eindruck gemacht. Die Erträge im Sinne von Erntemengen passten, aber die Qualitäten ließen häufig zu wünschen übrig.” Die Kornfüllung habe teilweise nicht so stattgefunden wie erhofft. Als mögliche Gründe nennen die Experten, Anja Keuck und Martin Finke, die sehr großen Temperaturspannen in diesem Jahr mit dem kalten und nassen Frühjahr und dem dann folgenden sehr warmen Juni. In der Folge sei der Zeitraum von der Blüte bis zur Abreife recht kurz gewesen und die Wurzelausbildung der Pflanzen war aufgrund der sehr feuchten Situation nicht immer ganz optimal. Insgesamt dürfe man aber – vor allem im Vergleich zu den Vorjahren – mit den Getreideergebnissen zufrieden sein, summiert Elpers stellvertretend für viele Berufskollegen.

Durchgängig gut zufrieden seien die Landwirte mit ihren Ergebnissen im Gras. „Die Grasschnitte konnten sich durchweg sehen lassen”, so Finke, „Eine Grundfutterknappheit wie in den Vorjahren wird es in den Rindviehbetrieben in diesem Winter gottlob nicht geben.”

Abhängig von den kommenden Wetterverhältnissen wird sich die Getreideernte noch bis in den späten August hineinziehen. Es folgen Stoppelbearbeitung, Aussaat der Zwischenfrüchte und ab Ende September die Maisernte. Hier sehen die Bestände derzeit in aller Regel verheißungsvoll aus, hofft Finke für seine Landwirte auf gute Ergebnisse: „Aber auch hier gilt: Abgerechnet wird erst, wenn der Mais gedroschen auf dem Hänger liegt.” (pd/kre)