Pia Vogelsang aus Ramsdorf sollte eigentlich in der Osternacht getauft werden. Die Feier musste wegen der Corona-Krise erst einmal verschoben werden. Foto: pd

Ramsdorf. In der Grundschule war sie eine Ausnahme: „Die anderen Kinder in meiner Klasse waren alle getauft“, erinnert sich Pia Vogelsang. Sie und ihre beiden Schwestern nicht. Die Eltern hatten sich bewusst gegen das Sakrament für das Mädels-Trio entschieden: „Sie wollten uns die Entscheidung selbst überlassen“, sagt die Ramsdorferin. Diese Entscheidung hat die 26-Jährige nun für sich getroffen. In der Osternacht am 11. April sollte Pia Vogelsang in der St.-Walburga-Kirche katholisch getauft werden. Zusammen mit ihrer sechsjährigen Nichte. Doch wegen der Corona-Pandemie sind alle öffentlichen Gottesdienste abgesagt. „Wir haben die Taufe verschoben“, ist sie darüber zwar ein wenig traurig, aber auch vernünftig genug, zu wissen, dass es nicht anders geht. Ein neuer Termin soll nach Ende der derzeitigen Ausnahmesituation gefunden werden.

Die Familie kommt aus Wuppertal. Vor 20 Jahren zogen die Vogelsangs ins Westmünsterland. Weihnachten, Ostern – durch den Religionsunterricht, an dem sie in der Schule teilnahm, wusste die Friseurmeisterin in etwa, was die Christen an diesen besonderen Tagen feiern. Aber so wirklich habe sie sich lange nicht dafür interessiert: „Ich habe nichts vermisst, weil ich ja auch gar nicht wusste, was ich vermissen sollte.“ Erst durch die Beziehung zu ihrem Freund Tobias Looks wurde sie neugieriger. Der 24-Jährige ist katholisch sozialisiert aufgewachsen – und hat als Kind und Jugendlicher das volle Programm auf dem Dorf durchlebt. Ihr Freund und sie haben zwar noch keine konkreten Hochzeitspläne, aber die Gedanken führen in eine gemeinsame Zukunft: „Und sollten wir heiraten, dann selbstverständlich kirchlich.“ 

Deshalb hat sich Pia Vogelsang vor genau einem Jahr ein Herz gefasst und ist ins Pfarrbüro von St. Peter und Paul gegangen. Die Sekretärin gab ihren Wunsch an Pastor Hubert von der Heide weiter – und der meldete sich gleich telefonisch. Seitdem trifft sie sich regelmäßig mit ihm. „Er hat Antworten auf meine vielen Fragen“, weiß Pia Vogelsang und nennt Beispiele: Woran glauben die Katholiken? Und warum beten sie? Was passiert während der Eucharistiefeier?

In der Freizeit liest Pia Vogelsang gerne – zurzeit vor allem religiöse Bücher: „Ich hatte bis vor kurzem noch nie eine Bibel in der Hand gehabt.“ Das ist heute anders. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, geht sie ihrem Wissensdurst nach.

Bei der Vorbereitung auf Taufe, Erstkommunion und Firmung sei Pastor von der Heide nicht allzu streng gewesen: „Das Glaubensbekenntnis aber sollte ich schon auswendig beten können“, berichtet die 26-Jährige mit einem Lächeln. Das Vaterunser als verbindendes Gebet der Christen habe sie schon in der Schule gelernt. Gemeinsam mit Marita Lechtenberg und Irmgard Uphues, zwei Frauen aus der Pfarrei, geht sie außerdem sonntags in den Gottesdienst. Ein Termin, der ihr wichtig geworden ist. Die Frauen sehen sich inzwischen öfter: „Dann tauschen wir uns über unsere Glaubenserfahrungen aus.“

Beeindruckt hat Pia Vogelsang die Vesper, bei der Münsters Bischof Dr. Felix Genn vor einigen Wochen alle Taufbewerber aus dem Bistum im St.-Paulus-Dom persönlich begrüßt und willkommen geheißen hat. Dabei habe sie ein Gemeinschaftsgefühl gespürt. Genau dieses Gefühl gibt ihr Halt und Sicherheit: „Zu wissen, dass man in schwierigen Zeiten wie der Corona-Krise nicht alleine ist, das tut gut.“ (pd)