Eine Frau aus Hünxe konnte am Osterwochenende per Handy-Kamera festhalten, wie zwei Wölfe einen Hirsch angriffen. Foto: Screenshot WDR

Hünxe/Schermbeck. Das erlebt man auch nicht alle Tage. Eine Familie aus Hünxe hat am Osterwochenende morgens aus ihrem Küchenfenster beobachten können, wie zwei Wölfe einen Rothirsch attackierten. Dieser setzte sich erfolgreich zur Wehr und konnte anschließend leicht verletzt die Flucht ergreifen. Die Hünxerin drehte ein Handy-Video von der Szene. Dieses wurde durch die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) geprüft. Nun hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) in Recklinghausen bestätigt, dass es sich tatsächlich um zwei Wölfe handelte.

Ob es sich dabei um die Schermbecker Raum ansässige Wölfin GW954f und einen bislang nicht gesichteten Partner handelt, kann nur vermutet werden. „Die Identität der beiden Wölfe ist nicht bekannt. Vermutlich handelt es sich bei einem Wolf um die im Wolfsgebiet Schermbeck territoriale Wölfin GW954f. Ein zweites Individuum ist aus dem Wolfsgebiet bislang nicht genetisch nachgewiesen worden. Zu Alter und Geschlecht können keine Angaben gemacht werden“, schreibt das LANUV in einer Presseerklärung. Es handelt nach Auskunft des LANUV um einen ersten Hinweis auf ein mögliches Wolfspaar im Wolfsgebiet Schermbeck.

Wölfe leben in festen Paaren, die in der Regel lebenslang bestehen. Nach bundesweit vereinbartem Monitoringstandard ist von einem Paar auszugehen, wenn zwei geschlechtsreife Wölfe (Rüde und Fähe) über mindestens vier Wochen gemeinsam in einem Territorium nachgewiesen werden. Bislang galt „Gloria“ als territoriales Einzeltier. Ihre genetischer „Fingerabdruck“ war über einen längeren Zeitraum bei mehreren Nutz- und Wildtierrissen im Wolfsschutzgebiet Schermbeck nachgewiesen worden.

Der Rothirsch hat nach Meinung des Hünxer Revierförsters Michael Herbrecht, der das Video gesehen hat, mehrere Bisse abbekommen. Diese Einschätzung gab er gegenüber der Rheinischen Post ab. Das Video zeige, wie sich der Hirsch mit seinen Vorderläufen gegen die Angreifer zur Wehr setze und die ihn schließlich ziehen ließen. Eine Suche nach dem Tier, die der Revierförster gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Bemelmans vorgenommen hatte, blieb erfolglos.

Wildtiere sind Hauptnahrungsquelle der mittlerweile in Deutschland wieder ansässig geworden Wölfe. Aber es kommt immer wieder auch mal zu Rissen von Nutztieren, insbesondere von Schafen. In Nordrhein-Westfalen werden über die Förderrichtlinie Wolf des Umweltministeriums auf der gesamten Landesfläche Haus- und Nutztierschäden entschädigt, bei denen der Wolf als Verursacher nachgewiesen wurde. Weitere entschädigungsfähige Kosten sind beispielsweise angefallene Tierarztkosten oder Schäden an der Zäunung. Den Haltern von Schafen, Ziegen und Gehegewild im Wolfsgebiet Schermbeck und in der umgebenden Pufferzone wird empfohlen, ihre Tiere mit geeigneten Zäunen wolfsabweisend zu sichern. In den Wolfsgebieten und in den Pufferzonen werden Präventionsmaßnahmen wie die Anschaffung wolfsabweisender Elektrozäune zu 100 Prozent gefördert. Informationen zu den möglichen Förderungen geben die jeweiligen Bezirksregierungen. (pd/kre)