Foto: AdobeStock
Eine Glosse von HALLO-Redakteur
Ewald Kremer

Polizeimeldungen haben oft kuriose Bei- und Zwischentöne bzw. werfen merkwürdige Fragen auf. So erreichte die Redaktion Ende Oktober eine Meldung, wonach in Bocholt Unbekannte ein Kassettenband über einen Radweg gespannt hatten. Für die Jüngeren unter den Lesern sei erklärt: Kassettenbänder sind sehr, sehr dünne Folienstreifen aus Kunststoff, die mit einem magnetisierbaren Material beschichtet wurden. Sie waren in den 1970er und 80er-Jahren sehr beliebt, um Tondaten, vorrangig selbst aufgenommene Musik, zu speichern und mittels eines Kassetten-Recorders abzuspielen. Die Bänder neigten allerdings zum sogenannten Bandsalat und rissen bei stärkerer Belastung auch gerne. Warum in aller Welt man ein solch filigranes Gebilde über einen Radweg spannen sollte, bleibt schleierhaft. Der Musikwiedergabe dient es jedenfalls nicht und Radfahrer lassen sich auch nicht damit stoppen. Nichtdestotrotz ermittelte die Polizei in diesem Fall wegen eines „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.“

Einen Tag später setzte die Polizei-Pressestelle den Redakteur von einem weiteren schweren Eingriff in den Straßenverkehr in Kenntnis. Ausgefuchste Gauner hatten in Stadtlohn an der L572 das Sonderzeichen „Wildschwein“ entwendet. Liebe Diebe: Das Verkehrszeichen soll Autofahrer warnen, dass man an dieser Stelle mit wilden Ebern und anderem großformatigen Getier kollidieren kann. Was in den meisten Fällen bekanntlich weder Tier noch Auto gut vertragen. Ihr wart möglicherweise der Annahme, dass es sich um einen schlecht angebrachten Wegweiser für Wildschweine handelt. Dem ist nicht so, denn Wildschweine können gar nicht lesen, weder Schrift noch Piktogramme. Demnächst einfach mal besser im Biologie-Unterricht aufpassen!

Wenig Kenntnisse in Sachen Tierwelt hatte offensichtlich auch ein bayerischer Taxifahrer, der in diesem Sommer des Nachts die Polizei alarmierte, weil er auf der Landstraße einen großen Hamster mit sehr langen Zähnen überfahren habe. Die Polizei fand – Sie ahnen es schon – ein verendetes Wildschwein. Das mit den langen Zähnen stimmte aber, so die bayerischen Beamten.

Noch eine Episode aus dem Tierreich gefällig? Hier ist eine: „Blanker Arsch vertreibt Schwarzkittel“ könnte die Überschrift für ein Ereignis aus dem August lauten. Im Berliner Grunewald sonnte sich ein Anhänger der Freikörperkultur auf einer Wiese, als eine Bache mit Frischlingen daherkam. Der offensichtlich modisch interessierten Wildsau gefiel der gelbe Rucksack des FKKlers und sie entwendete ihn – freilich unbefugt. „Ein schwerer Eingriff in den Unterhosenbesitz“, würde die Polizei sagen (Wobei Eingriff und Unterhose sonst in einem anderen, meist doppelrippigen Zusammenhang stehen). Der unerschrockene Mann jagte der Sau, seiner Kleidung und einem ebenfalls in der Tasche befindlichen Laptop hinterher und beendete die wilde Hatz erfolgreich. Und da Laptops anders als Kassetten mit einer solideren Speichermethode arbeiten, waren auch alle Daten noch vorhanden.

Nicht verbrieft ist, dass sich in dem Rucksack auch ein Asterix-Comic befand, in dem Obelix nach dem Verprügeln einiger Römer 125 Wildschweine fängt, die abends in einem kleinen gallischen Dorf über offenem Feuer gegrillt werden – also die Wildschweine, nicht die Römer. Dazu gibt es frischgehamsterten Bandsalat, den Gutemine einem bayerischen Taxifahrer abgenommen hat, als dieser ein Verkehrszeichen demontieren wollte, weil er an der L 572 bei Stadtlohn in einen Graben mit Zaubertrank gefallen war. Tssss!

PS. Die Redaktion freut sich schon auf die nächsten Polizeimeldungen

(aus HALLO Borken 12.2020)