Eine Projektgruppe treibt die Einführung von Wasserstoff-Technologie in Borken voran. Fotos: E. Kremer

BORKEN. Noch muss man bis nach Duisburg fahren, will man sein wasserstoffbetriebenes Auto volltanken. Das ist von Borken aus gesehen die nächste H2-Tankstelle. Doch 2024 könnte es auch in der Kreisstadt eine Wasserstofftankstelle geben. Das kündigten gestern Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing bei einem Pressetermin am Rathaus an. Anlass war ein Arbeitstreffen einer Projektgruppe, zu der neben Wirtschaftsförderin Julia Ohters und Klimamanager Dominik Tebbe auch Privatpersonen, Unternehmen und die Stadtwerke Borken gehören. Zum Pressetermin waren zudem Vertreter der nordfriesischen Firma GP-Joule gekommen, die als Projektentwickler für „grüne“ Wasserstoff-Technologie die Borkener begleiten.

„In Deutschland gibt es derzeit rund 1100 Wasserstofffahrzeuge und rund 100 Tankstellen“, berichtete André Steinau, der sich bei GP-Joule mit dem Netzbau beschäftigt. Die Tankstellen lägen aber meist autobahnnah. Umso wichtiger seien H2-Tankstellen vor Ort, so der Projektentwickler. Steinau selbst war am Morgen von Niebüll aus mit seinem H2-Hyundai nach Borken gekommen, hatte in Münster einen Tankstopp eingelegt.

Eine Abfrage bei Privatpersonen, Unternehmen aus der Logistikbranche und solchen mit größeren Fahrzeugflotten habe durchaus ermutigende Ergebnisse gebracht, berichtete Borkens Wirtschaftsförderin. „Ergebnis war eine gute dreistellige Zahl “, so Julia Ohters. Der Rückhalt in der Wirtschaft sei groß. Mit Kreis und Busunternehmen sei man in Gesprächen und auch den ÖPNV habe man im Blick. Die nötige Energie könne klimafreundlich und regional von den Stadtwerken geliefert werden – etwa aus dem Windpark Letter Bruch. Aktuell werde nach einem möglichen Standort für die Tankstelle am Standrand gesucht, so die städtischen Vertreterinnen. Nach Auskunft von Experte Steinau können die nötigen Produktionsanlagen in Form von Containern modular aufgebaut werden und bräuchten somit nicht viel Platz.

„Unser nächster Schritt ist die Gründung einer genossenschaftlich organisierten Betreibergesellschaft. Das wollen wir bis Weihnachten unter Dach und Fach haben“, sagte Borkens Bürgermeisterin. „In jedem Fall wollen wir nicht abwarten, sondern selbst aktiv werden“. Beim „Wasserstoff-Gipfel“ der Bezirksregierung, der kommende Woche in Dorsten zusammentrifft, kann sie jedenfalls schon ein konkretes Projekt vorstellen. Die Tankstelle vor Ort solle vor allem die Nachfrage nach Wasserstofffahrzeugen antreiben, so Schulze Hessing.

Der Toyota Mirai ist eines der ersten Serienfahrzeuge, das mit Wasserstoff betrieben wird. Dieses Modell steht beim Autohaus Gerding in Bocholt.

Zum Hintergrund: Wasserstofffahrzeuge sind im Prinzip E-Fahrzeuge. Wasserstoff und Luftsauerstoff verbinden sich in einer Brennstoffzelle durch Umkehrung der Elektrolyse zu Wasser. Dabei entstehen Wärme und elektrische Energie. Letztere treibt den Elektromotor des Autos an – schadstofffrei. Das ist insbesondere im Schwerlastverkehr attraktiv, weil keine schweren Batterien mitgeschleppt werden müssen und das Tanken zügig verläuft (im Gegensatz zur Ladetechnik). Erste LKW fahren bereits, vor allem auch in Bussen wird die Technologie zunehmend erprobt. Serienmodelle für Autofahrer liefern aktuell aber nur Huyndai und Toyota. Mercedes hat ein zwischenzeitlich entwickeltes Modell wieder vom Markt genommen. Andere europäische Unternehmen stecken in der Entwicklung. Die Technologie, davon ist André Steinau überzeugt, werde sich somit mittelfristig durchsetzen und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. (kre)