Von der „Gartentante“ zur „Zeitungsspinnerin“

Marita Drees aus Weseke erstellt Praktisches und Schönes aus handgesponnenem Zeitungsgarn.

Marita Drees hat lange an einer Konstruktion für das Spinnen des Zeitungsgarns getüftelt. Foto. V. Rickert

Borken. „Ich habe schon so vieles gemacht – von meinem erlernten Beruf als Erzieherin, über die Mitarbeit im Büro bis hin zu meiner letzten Tätigkeit als Gärtnerin“, erzählt Marita Drees und berichtet: „Aber bei keiner dieser Arbeiten bin ich so sehr aufgeblüht, wie bei der Zeitungsspinnerei.“ So hatte die Wesekerin, die vor Kreativität nur so sprüht, schon immer den Drang in sich, etwas mit ihren Händen zu erschaffen und alten Dingen neues Leben einzuhauchen. Vor allem in den Winterpausen als „Gartentante“ widmete sich Marita Drees diversen Handarbeiten, und stieß schließlich auf den italienischen Zeitungskünstler Ivano Vitali, der mit baumdicken Stricknadel riesige Objekte, aber auch filigrane und raffinierte Kleidungsstücke erschafft.

„Von dem Material Zeitungsgarn war ich direkt fasziniert und mir kam schnell die Idee, diese einzigartige Kunstform auf nutzbare Alltagsgegenstände zu übertragen“, erläutert Marita Drees ihre Anfänge als Künstlerin.

Es folgten einige schlaflose Nächte, in denen sie mit dem Material experimentierte und die ersten dekorativen Dinge aus alten Tageszeitungen häkelte. „Mir kamen immer weitere neue Ideen, die ich direkt umsetzte, und als meine beiden erwachsenen Töchter schließlich auszogen sind, hatte ich auf einmal die Möglichkeit, mich mit meinen Kunstwerken im ganzen Haus auszubreiten“, erinnert sich Marita Drees an die Zeit zurück, als sie den Entschluss fasste, die Gartenarbeit aufzugeben und sich ganz ihrem Hobby zu widmen – mit dem Ziel, hierdurch ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

„Anfangs hat man mich belächelt“

„Ich brauchte einfach Veränderung und setzte somit alles auf eine Karte“, erzählt die Kunstschaffende und ergänzt: „Meine Familie und Freunde haben eher skeptisch reagiert. Sie waren der Meinung, dass es für diese Art von Kunst keinen Markt gibt und haben mich eher belächelt.“ Doch Marita Drees brannte für ihre Idee und ließ sich von den Meinungen ihrer Liebsten nicht beirren. „Bestätigung für mein Vorhaben bekam ich vor allem durch die Vernetzung mit zahlreichen weiteren Künstlern in den sozialen Netzwerken – das ging alles so schnell und es hat mir gut getan und ermutigt, mich mit anderen Menschen auszutauschen, die ebenfalls einen ,Fimmel‘ haben.“ Heute, rund zwei Jahre später, hat die Inhaberin von „old news – Zeitungszauber“ bereits stapelweise Tageszeitungen durch Häkeln und Stricken in Kunstwerke verwandelt – von Lampenschirmen, Teelichtern, Taschen und Körben bis hin zu Handyhüllen, kleinen Dekoartikeln und vielen originellen Unikaten – für die es deutschlandweit zahlreiche begeisterte Abnehmer gibt.

Ob lampenschirme, Taschen, Körbe oder Wohnaccessoires: Marita Drees hat immer wieder neue Ideen für Produkte aus Zeitungsgarn. Foto: V. Rickert

Nachhaltige Kunstwerke

„Das Tolle an dem Material ist, dass es nicht nur kostenlos ist, sondern mir gefällt vor allem auch der Upcycling-Gedanke“, sagt Marita Drees und ergänzt: „So kann ich mit meiner Arbeit vielleicht auch ein wenig zum Nachdenken im Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit anregen.“ Auch auf die Pressevielfalt und -freiheit möchte sie mit ihrem Handeln hinweisen und informiert daher im Rahmen ihrer Ausstellungen zu diesem Thema. Die Herstellung des Zeitungsgarns ist mit viel Arbeit verbunden und sehr zeitintensiv. So schneidet die 53-Jährige die alten Tageszeitungen in dünne Streifen und klebt diese Stück für Stück zu einem langen Band zusammen, das sie anschließend mit ihrer selbst entwickelten Spinnmaschine zu Garn spinnt. „Anfangs habe ich noch per Hand gesponnen. Doch dieses kleine Maschinchen, an dem ich ziemlich lange getüftelt habe, nimmt mir schon eine Menge Arbeit ab“, freut sich die „Zeitungsspinnerin“ über ihre Eigenkreation. Doch mehr möchte sie darüber nicht verraten. Denn spätestens, seitdem über sie inzwischen auch im Rahmen von Fernsehbeiträgen berichtet wird, erhält Marita Drees immer mehr Anfragen von Menschen, die ebenfalls das Handwerk des Zeitungsspinnen erlernen möchten.

„Es freut mich sehr, dass das Interesse an dieser besonderen Kunstform so groß ist und ich gebe mein Wissen gerne im Rahmen von Workshops weiter“, erzählt die erfindungsreiche Macherin.

Zudem hat sie ganz aktuell ein Starter-Set mit Spindel und Anleitung erstellt, womit jeder schnell und einfach selber zu Hause Zeitungsgarn weben kann. Angst davor, dass sich zu viele Nachahmer finden und ebenfalls auf die Idee kommen, Geld mit Produkten aus Zeitungsgarn zu verdienen, hat Marita Drees nicht. „Wenn, dann bin ich immer noch die Erste in Deutschland gewesen“, meint sie mit einem Lächeln und betont: „Und die Ideen gehen mir noch lange nicht aus.“ Weitere Informationen zu den Workshops und Arbeiten von Marita Drees findet man im Internet unter www.oldnews-zeitungszauber.de. (vr)