Anja Meuter, Vorsitzende im IHK-Regionalausschuss für den Kreis Borken. Foto: pd

KREIS BORKEN. Nach einer aktuellen Umfrage der IHK Nord Westfalen bewerten über 43 Prozent der Betriebe in den Kreisen Borken und Coesfeld ihre Geschäftslage als gut, dies ist der höchste Wert im gesamten IHK-Bezirk (Durchschnitt 35 Prozent). Vier von fünf Betrieben gaben zudem an, dass sie für das Jahr 2021 mit gleichbleibenden oder sogar steigenden Umsätzen rechnen. „Viele Unternehmen, die nicht direkt vom Lockdown betroffen sind, können mittlerweile besser mit der Pandemie umgehen als noch vor einem Jahr“, sagte die Ausschussvorsitzende Anja Meuter, Geschäftsführerin der Team Meuter GmbH (Gescher). Ausgeklügelte Schutz- und Hygienekonzepte sowie umfangreiche Homeoffice-Regelungen gehörten mittlerweile zum normalen und gut funktionierenden Arbeitsalltag der allermeisten Unternehmen, so Meuter.

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Große Sorgen bereiten der IHK Wirtschaftsbereiche wie das Gastgewerbe und Tourismus, persönliche Dienstleistungen und Teile des stationären Einzelhandels, die durch den im Dezember 2020 verschärften Lockdown in einer anhaltend akuten Wirtschaftskrise stecken. Deren Vertreter sprachen sich während der Sitzung vehement für verbindliche Öffnungspläne für die geschlossenen Betriebe aus. Gefordert wurden umsetzbare Lösungen, die einen verbindlichen Öffnungsplan mit den notwendigen Schutzmaßnahmen verbinden. „Die betroffenen Branchen benötigen dringend eine Perspektive und Planungssicherheit“, erläutert Anja Meuter. So müssten bei vielen Textileinzelhändlern so schnell wie möglich die Entscheidung getroffen werden, welche Kollektionen eingekauft werden können. Die Händler müssten dazu sehr genau wissen, wie groß die Gefahr sei, ob die neue Kollektion ähnlich wie die Winterkollektion in den Lagern liegen bleiben wird. Dabei könne es schnell um mehrere hunderttausend Euro gehen. Auch Fahrzeuge und andere Produkte verlieren jeden Tag, an dem sie nicht verkauft werden können, an Wert.

„Eine konkrete Planungsperspektive für die von den Schließungen betroffenen Branchen ist elementar wichtig“, so Meuter. Das derzeitige Planen von Woche zu Woche vergrößere die Existenznot insbesondere der vielen Soloselbstständigen und kleinen und mittleren Betriebe nur noch weiter. Die Unternehmerin Meuter betont aber auch: „Es steht außer Frage, dass die Gefahr eines neuerlichen Anstiegs der Infektionen weiter besteht und sie wird uns auch noch eine Zeit begleiten.“ Ein weiteres Hin und Her zwischen Shutdown und Lockerungen gelte es zu vermeiden.

Klar ist, dass die Dauer der Pandemie an den wirtschaftlichen Kräften der betroffenen Betriebe zerrt und die Rückkehr zum Vorkrisenniveau dürfte bei vielen länger als erhofft dauern. „Viele Betriebe in den besonders betroffenen Branchen haben ihre finanziellen Reserven aufgebraucht und mussten sich teils verschulden. Das ist Geld, was bei der Ausrichtung auf zukunftsfähige Geschäftsfelder fehlt“, so Meuter. Es müsse verhindert werden, dass die gewerbliche Wirtschaft in einen robusten Teil und in einen existenzbedrohten Teil in den vom Lockdown betroffenen Konsumbranchen gespalten wird.

Aktuell positiv sei die Entwicklung bei den Hilfsprogrammen. So könne endlich die Überbrückungshilfe III beantragt werden, eine Abschreibungsmöglichkeit für unter anderem saisonale Waren wurde eingeführt und die Neustarthilfe für Soloselbstständige noch aufgestockt. „Es hat gedauert, bis die Hilfen fließen, aber nun berichten uns immer mehr Betriebe, dass die Hilfsgelder ankommen und ihnen bei der Aufrechterhaltung der Geschäftstätigkeit helfen“, so Meuter. (pd)