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Ich will nicht schelten, die Kaste hat es derzeit schwer! Aber mitunter reden Politikerinnen und Politiker einfach nur Blech. So prägte die Ministerin für Landwirtschaft und Ernährung, Julia Klöckner, neulich bei der Vorstellung des geplanten neuen Insektenschutzprogrammes diesen locker klingenden aber völlig hohlen Satz: „Ohne Artenvielfalt gibt es keine Landwirtschaft und ohne Landwirtschaft keine Artenvielfalt.“ Der erste Teil des Satzes könnte stimmen, denkt man bspw. an die Bestäubungsleistung der Insekten. Der zweite Teil allerdings ist eine glatte Lüge (oder erschreckendes Unwissen). Die Natur käme prima auch ohne Landwirtschaft aus.

Eine Glosse von HALLO-Redakteur Ewald Kremer

Treffsicher daneben griff auch der selbstbewusste Bajuware Markus Söder bei seiner Begründung, warum Frisöre ab dem 1. März wieder öffnen dürfen, andere Branchen aber nicht. Söder bemühte dafür „die Würde des Menschen“. Herr Ministerpräsident, die Würde des Menschen spielt sich im Kopf ab und nicht obendrauf.

Parteifreund Horst Seehofer hingegen wollte mit der frühzeitigen Öffnung der Frisiersalons in der Pandemie die „Schwarzarbeit in Hinterstuben“ abstellen, denn diese sei ja viel gefährlicher hinsichtlich der Ansteckungsgefahr. In den Salons gebe es erprobte und kontrollierbare Hygienekonzepte, so der Innenminister. Folgt man dieser Argumentation, dann sollten alle Modeläden, Juweliere, Kosmetikerinnen, Wirte und Schuhverkäuferinnen zügig mit Schwarzarbeit drohen; sich vielleicht sogar ein, zwei Mal aufsehenerregend dabei erwischen lassen. Und schwupps, zwei Wochen später dürften sie wieder öffnen.

Liebe Politiker, bei allem Verständnis für die Schwierigkeiten bei Corona-Entscheidungen: Ein bisschen mehr Phantasie sollten Sie schon an den Tag legen. Nehmen Sie sich ein Beispiel an der Sängerin Pe Werner. Die hat mal Frisörin gelernt. „Wenn ich jetzt auf der Theaterbühne Haare schneidend sänge und der Saal wäre Warteraum, da müsst dat doch klappen mit der Öffnung für Kultur ab 1.3.“, schreibt sie augenzwinkernd auf Facebook und rät den Kollegen Clueso und Thomas D., es ihr nachzutun. Die haben auch eine Erstausbildung zum Herrenfrisör.

Das bringt mich auf weitere Ideen, wie Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen zu einer früheren Öffnung ihrer Geschäfte kommen könnten. Bekanntlich bekommt man bei Aldi, Lidl und Co derzeit auch nicht systemrelevante Freizeithemden und Boxershorts. Drehen wir den Spieß doch einfach um, und bieten wir im Modeladen einfach auch Lebensmittel an. Schon kann man wieder Kunden ins Geschäft lassen. In der Kneipe würde Tierfutter zum Bier angepriesen, in der Kindermode gäbe es Babybrei zum Strampler, in der Wäscheboutique Apfelsinen zum BH, beim Juwelier Grafschafter Goldsaft zum Silberring und im Buchladen Toilettenpapier – wahlweise mit Goethes „Götz von Berlichingen“ bedruckt.

Warum ist darauf noch keiner gekommen? Wir haben doch schließlich in der Pandemie auch Schleichwege nach Winterberg gefunden.

PS. Den Frisören sei die Öffnung gegönnt. Ihr Verband hat einfach gute Lobbyarbeit betrieben. Und ihre Kompetenz für haarige Angelegenheiten bleibt – anders als bei manchen Politikern – unbestritten.