Landrat Dr. Kai Zwicker (links) besuchte den bisherigen Chefveterinär des Kreises Borken, Dr. Albert Groeneveld, zuhause in Ahaus, um ihm für seinen langjährigen Einsatz zu danken. Foto: pd

KREIS BORKEN. Dass er einmal auf ein derart bewegtes Berufsleben zurückschauen würde, hat Dr. Albert Groeneveld wohl nicht ahnen können. Als er im Jahr 1977 in Hannover das Studium der Veterinärmedizin aufnahm, war sein beruflicher Lebensweg eigentlich vorgezeichnet. Tierarzt wollte er werden und das wurde er auch – aber eben nicht allein das, wie Landrat Dr. Kai Zwicker bei der Verabschiedung des langjährigen Leiters des Fachbereichs Tiere und Lebensmittel der Kreisverwaltung betonte. Denn spätestens im Laufe seiner Dienstzeit beim Kreis Borken sei er mit vielen brisanten veterinärmedizinischen bzw. -rechtlichen Problemen und Herausforderungen konfrontiert worden, die er allesamt mit Bravour gemeistert habe. Sein ebenso engagiertes wie erfolgreiches Wirken habe landes- und bundesweit große Anerkennung und Wertschätzung gefunden. Dafür dankte der Landrat dem scheidenden Chefveterinär ausdrücklich.

Dr. Zwicker zeichnete bei diesem Anlass den Werdegang von Dr. Albert Groeneveld nach: 1982 legte er die Tierärztliche Prüfung ab. Anfang 1983 erhielt er die Approbation als Tierarzt. Ende des gleichen Jahres schloss er seine Promotion ab. Danach arbeitete er als Tierarzt zunächst bis 1988 in einer Praxis in Kleve und dann beim Kreis Kleve. Von 1992 bis 1994 absolvierte er das Veterinär-Referendariat des Landes NRW bei der Bezirksregierung Düsseldorf und trat danach als Kreisveterinärrat in den Dienst des Kreises Borken. Aufgabenschwerpunkte waren hier zunächst die Untersuchung von Nutztieren vor dem Verbringen in EU-Mitgliedstaaten und die Bekämpfung der Aujeszkyschen Krankheit bei Schweinen. Bereits ein Jahr später übernahm er die Leitung der Lebensmittelüberwachung der Kreisverwaltung. Dort zeichnete sich bereits ab, dass Dr. Groeneveld über die eigene berufliche Tätigkeit hinaus auch wichtige übergreifende fachliche Fragen in den Blick nahm, etwa in überregionalen Arbeitsgruppen zur Einführung der risikobasierten Überwachung von Lebensmittelbetrieben.

Ende 2004 wurde er zum Leiter des Fachbereichs Tiere und Lebensmittel des Kreises Borken ernannt und zum Leitenden Kreisveterinärdirektor befördert. Damit übernahm er die Gesamtverantwortung für eines der größten Veterinärämter in NRW. Aktuell beläuft sich der Tierbestand in der hiesigen Landwirtschaft auf über 200.000 Rinder, über 1 Mio. Schweine und fast 1,5 Mio. Hühner.

Im Verbund mit sechs weiteren Kreisen sorgte Dr. Groeneveld dann dafür, dass im Westmünsterland ein Qualitätsmanagementsystem in der Veterinärverwaltung etabliert wurde. Als im Jahr 2006 die Schweinepest in den Kreisen Borken und Recklinghausen ausbrach, organisierte er mit großer Umsicht alle erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Tierseuche. Über einen Zeitraum von drei Monaten standen er und sein Team, verstärkt um weitere Beschäftigte der Kreisverwaltung, dabei im Dauereinsatz. Von der Fachwelt wurde die von ihm an den Tag gelegte klar strukturierte Vorgehensweise ausdrücklich gewürdigt. Dr. Groeneveld hielt daraufhin zahlreiche Vorträge zu diesem Thema in ganz Deutschland und sogar in Österreich. Er war außerdem intensiv an der Nachbereitung des Geschehens – bis hin zur Teilnahme an länderübergreifenden Arbeitsgruppen zum Beispiel zur laufenden Fortschreibung des Tierseuchenhandbuches Nordrhein-Westfalen/Niedersachsen – beteiligt. Überdies machte er sich für den Ausbau vorbeugender Maßnahmen zur Bekämpfung der heute akut drohenden Afrikanischen Schweinepest stark. So forcierte er vor diesem Hintergrund mit großem persönlichen Einsatz in NRW die Gründung der “Wildtierseuchenvorsorgegesellschaft”.

Dr. Groeneveld erkannte zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Notwendigkeit der risikoorientierten Betrachtung von Nutztierhaltungen. Er engagierte sich daher stark in einem entsprechenden Pilotprojekt mit der “QS Qualität und Sicherheit GmbH” – einem Eigenkontrollsystem der Ernährungswirtschaft, mit dem engagierte Tierhalter gegenüber dem Veterinäramt die Qualität ihrer Arbeit belegen können. Das führte sogar zu seiner Berufung in das Kuratorium von QS.

Unter seiner Regie wirkte der Kreis Borken im Veterinärbereich auch an INTERREG-Projekten mit, in denen er u. a. Dissertationen zu wichtigen Themen wie “Biosicherheit in schweinehaltenden Betrieben” und “Vergleichende Untersuchungen von konventionellen und langsamer gemästeten Hähnchen” begleitete. Letztere haben sich zu seinem Bedauern leider nur im niederländischen Einzelhandel durchgesetzt.

Auch im Ruhestand wird der in Ahaus wohnende “Tierfreund, Tierarzt und Tierseuchenmanager in einer Person” (so der O-Ton von Landrat Dr. Kai Zwicker) weiterhin als fachkundiger Referent zu veterinärmedizinischen Themen gefragt sein. (pd/kre)