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Eine Glosse von HALLO-Redakteur
Ewald Kremer

Wer sich beim Bilder aufhängen schon einmal mit dem Hammer auf den Daumen geschlagen hat, weiß, welch eindrückliches Erlebnis das sein kann – im wahrsten Sinne des Wortes. Meine Tochter machte kürzlich einschneidende Erfahrungen mit einem Brotmesser. Aua! Auch das tat weh und hinterließ Spuren.

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Aber Hallo! Einen Sensenmähkurs als „sensitive Erfahrung“ anzupreisen, dazu gehört schon reichlich wortspielerischer Wagemut. „Spüre das sanfte Schneiden und Gleiten der Sense durch das Gras. Spüre deinen Körper, der sich rhythmisch und gleichmäßig bewegt. Spüre die Sonne, den Regen, das Gras, deine gemähte Streuobstwiese“, heißt es schmeichelnd in der Ankündigung eines Bildungsträgers, der zu einem sensationellen Wochenende nach Bayern einlädt.

Wurde hier vielleicht „sensitiv“ mit „sensibel“ verwechselt? Sensible Menschen sind empfindsam und feinfühlig. Sensitiv hingegen steht synonym für feinnervig, überempfindlich und reizbar. Das Wörterbuch der Psychiatrie von U. H. Peters bezeichnet damit sogar „Selbstunsichere Psychopathen. Zartfühlende, leicht kränkbare, grüblerische und sittlich hochstehende Menschen, die sich mit vielen Skrupeln quälen und ein schwaches Selbstwertgefühl besitzen“ und auch schon mal ausrasten können. Aber das wird wohl kaum das Kursziel der Sensenmänner aus dem Allgäu sein.

Ob beim Hämmern, Brot schneiden oder beim Entfernen der berühmten „Schere im Kopf“, auf sensitive Erfahrungen kann man getrost verzichten.

Bleiben Sie heiter!

(aus HALLO Borken 02/03.2020)