Die Versorgung mit Glasfaseranschlüssen wächst. Nach Innenstädten und Außenbereich sollen nun verstärkt die Randlagen versorgt werden. Foto: AdobeStock

Kreis Borken. Homeoffice, Konferenzen am PC, virtuelle Lernplattformen, Streaming, Video-Chats – die Coronapandemie hat nicht nur die Kommunikation verändert, sie führt uns aktuell auch vor Augen, wie wichtig ein leistungsfähiges Breitbandnetz ist. Die Grundlagen für den Breitbandausbau im Kreisgebiet schufen Politiker und Wirtschaftsförderer vor mehr als zehn Jahren. „Weil große Konzerne nichts getan haben, hat sich die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken gekümmert. Und dieser Weg war richtig“, zog Landrat Dr. Kai Zwicker jetzt bei einer Pressekonferenz im Kreishaus ein durchweg positives Fazit.

Nach Aussage von Dr. Heiner Kleinschneider, Chef der WFG, waren drei Dinge grundlegend dafür, dass der Kreis heute über ein Breitbandnetzt verfügt, mit dem man sich sehen lassen könne. „Der Leerrohrbeschluss von 2009 war einzigartig in Deutschland. Wir haben stark auf die Landesförderung gesetzt. Und drittens haben wir regionale Anbieter wie die Stadtwerke eingebunden.“

„Aktuell können rund 34 Prozent der Haushalte und Firmen im Kreis auf einen Breitbandanschluss zugreifen. Im Bundesdurchschnitt sind es 10, 5 Prozent“, erläuterten Katharina Reinert von der WFG und Lara Telaar, Gigabitkoordinatorin des Kreises. Die Schulen im Kreis seien sogar zu 70 Prozent mit Glasfaser versorgt. In den letzten Monaten stand die Anbindung der Außenbezirke mit hochleistungsfähigen Glasfaserlösungen im Fokus. „Hier konnte mit der Übergabe von Zuwendungsbescheiden in Höhe von insgesamt 67 Millionen Euro für 13 Städte und Gemeinden in den Jahren 2017 und 2018 ein wichtiger Meilenstein gesetzt werden“, so Lara Telaar. Von den laufenden Förderprojekten profitierten aktuell rund 8000 Hausanschlüsse, die schon bald auf Bandbreiten von mindesten 100 Mbit im Down- und Upload zugreifen könnten, so die Expertin. Schon in diesem Jahr sollen die ersten Kommunen die Ausbauarbeiten im Außenbereich abschließen können. „Wir erwarten dadurch einen Sprung der Versorgungsquote auf 40 Prozent“, so Telaar.

Im Innenbereich der Städte und Kommunen ist die Situation schon länger gut. Die Abschlussquote für Anschlüsse habe in seiner Kommune bereits im ersten Anlauf über 40 Prozent gelegen“, berichtete der Bürgermeister von Schöppingen. Er rechnet schon bald mit 100 Prozent. „Corona hat noch einmal einen Akzeptanzschub bei eher skeptischen Kunden gegeben“, meinte auch Karl-Heinz Siekhaus, Geschäftsführer der Stadtwerke Ahaus. „Rein privatwirtschaftlich sind 184 Kilometer Glasfaserleitung für nur 800 Haushalte allerdings nur schwer zu realisieren. Ohne Förderung wäre das nicht gegangen.“ Die Corona-Situation habe den Ausbau kaum beeinträchtigt. Einige Kunden hätten allerdings den Wunsch geäußert, aktuell nicht von den Technikern besucht zu werden. „Der Bedarf nach schnellen Leitungen ist da. Spätestens in der aktuellen Situation wäre der Druck auf leistungsfähige Glasfaseranschlüsse hoch geworden“, so Siekhaus. Er rechnet mit einer Abdeckung von 90 Prozent in den nächsten fünf Jahren.

Tatsächlich gibt es noch einiges zu tun. In einem nächsten Schritt sollen die Randlagen von Städten und Gemeinden in den Blick genommen werden. Diese scheiterten bis dato an einer Regelung, wonach nur Anschlüsse unter 30 Mbit gefördert wurden. „Wir warten auf ein Förderprogramm für diese „Grauen Flecken“, so Gigabitkoordinatorin Lara Telaar. (kre)