Sagenhaftes Fingerspitzengefühl

Zu Besuch bei... Schiedsrichter Werner Klüppel

Pfeift seit über 50 Jahren als Schiedsrichter: Werner Klüppel. Foto: V. Rickert

Werner Klüppel – ein Name, der wohl jedem Fußballer im HALLO-Verbreitungsgebiet etwas sagt. HALLO-Redakteurin Verena Rickert hat den Kultschiedsrichter besucht und mit ihm über seine mehr als 60-jährige Erfahrung im Fußball gesprochen.

Borken. Seit über 53 Jahren steht er auf dem Platz, „und das wird sich auch so schnell nicht ändern, solange man mich nach wie vor bekniet“, so Werner Klüppel. Jahrelang als aktiver Fußballer bis zur C-Jugend tätig, pfiff er im Jahre 1965 sein erstes B-Jugend-Spiel als Schiedsrichter in Maria Veen. Zum damaligen Zeitpunkt ahnte wohl niemand, dass der 75-Jährige auch heute noch so stark gefragt ist. „Das Problem ist einfach, dass es keinen Nachwuchs gibt“, bedauert der Borkener und ergänzt: „Da bleibt mir gar nichts anderes übrig, als zuzusagen – solange es noch geht, bin ich dabei.“ Die Ursache für den Personalmangel sieht der erfahrene Schiedsrichter übrigens im Spielfeldrand. „Was da teilweise abgeht und welche Sprüche über den Platz gerufen werden – diesem Stand zu halten, trauen sich nur die Wenigsten zu.“ Doch nach mehr als 60 Jahren als Fußballer und Schiedsrichter jucke ihn das schon lange nicht mehr. „Man darf als Schiedsrichter einfach nicht jedes Wort auf die Waagschale legen. Für die jungen Burschen ist das aber durchaus ein Kriterium, sich nicht für den Anwärter-Lehrgang zu melden“, appelliert Werner Klüppel an die Zuschauer, sich etwas mehr zusammenzureißen.

Mit der Mofa zum Platz

Durchschnittlich acht Spiele in 14 Tagen bestreitet der „Mann mit dem sagenhaften Fingerspitzengefühl“. Und das sogar, obwohl er selbst keinen Führerschein hat, und daher zu jedem Spiel mit seiner Mofa anreist. „Meine Frau Hildegard, die leider vor 16 Jahren verstorben ist, hat mich immer ungemein in meinem Schiedsrichteramt unterstützt und mich früher zu den Fußballplätzen gefahren. Sogar die Schwiegermutter ist regelmäßig mitgekommen“, erinnert sich Werner Klüppel zurück. Nach seiner Lehre und Tätigkeit als Maurer, arbeitete er bis zur Schließung der Kaserne am Fliegerberg im Jahre 2007 31 Jahre lang in der Küche der Bundeswehreinrichtung. Doch der Fußball hatte für ihn immer eine hohe Priorität. Mit seiner Begeisterung für den Sport steckte der dreifache Vater seine gesamte Familie an. Auch sein Sohn Thomas Klüppel spielte jahrelang für hiesige Sportvereine, Enkel Julien Klüppel ist derzeit als Mittelfeldspieler für die SG Borken aktiv.

Über 30.000 Spiele gepfiffen

„Auf dem Platz hält sich meine Lauftätigkeit heute aufgrund meines fortgeschrittenen Alters natürlich in Grenzen – aber meinen Augen entgeht nichts“, bemerkt Werner Klüppel. So hat er unter anderem auch bei zehn Prominentenspielen eine zentrale Position im Spiel besetzt. Seine präzise Entscheidungen sind es auch, die Werner Klüppel bei jeglichen Vereinen in der Region zu einem gern gesehenen Gast gemacht haben. Wie viele Spiele er inzwischen gepfiffen hat, dass weiß er selbst nicht mehr genau. „Bei 10.000 Spielen habe ich aufgehört zu zählen – aber es sind bestimmt schon über 30.000“, erzählt der Schalke-Fan, der es leider schon seit Jahren nicht mehr in ein Stadion geschafft hat. „Dafür habe ich einfach keine Zeit – wenn ich mal an einem Wochenende frei habe, dann habe ich auch frei“, erläutert Werner Klüppel. Und wenn man bedenkt, dass er in seiner Nebentätigkeit als Zeitungszusteller täglich um halb zwei aufsteht und seine Runde dreht, ist dies nicht verwunderlich. „Ich bin einfach kein Typ dafür, Zuhause zu sitzen und nichts zu tun. Aber wenn tatsächlich nichts anliegt, sollte ich mir wohl etwas Ruhe gönnen“, hat der Kultschiedsrichter festgestellt. Schon jetzt freut er sich auf den 25. Januar. „An diesem Tag findet die Borkener Hallenstadtmeisterschaft in Gemen statt – das ist für mich immer der Höhepunkt im Jahr“, sagt Werner Klüppel. (vr)