Felix Klieser und die kammer:philharmonie westfalen präsentierten dem Publikum im Autokino ein ebenso außergewöhnliches wie mitreißendes Konzert. Fotos: E. Kremer

Borken. Zwei fantastische Konzertabende erlebte an diesem Wochenende das Publikum im „Drive & Live“ Klassik-Autokino auf dem Aquarius-Parkplatz. Vor gut 200 Besuchern in ihren Autos begeisterte am Freitagabend die junge Niederländerin Noa Wildschut an der Violine. Perfekt begleitet von der kammer:philharmonie westfalen unter Leitung von Nabil Shehata.

„Das ist außergewöhnlich, aber auch unendlich schön, diese Reaktion von Scheinwerfern und Hupkonzert zu erleben“, sprach Dirigent Shehata seinem Orchester aus der Seele. Die Musiker nahmen die ungewohnte Konzertsituation mit einem heiteren Lächeln an. Die Resonanz aus den mehr als 80 Autos rührte sie dann sichtlich. Kein Wunder, macht doch die Corona-Pandemien derzeit nahezu alle Auftritte für die Profimusiker unmöglich.

Solistin Noa Wildschut zeigte am Freitagabend, warum sie als ganz großes Talent und kommender Violinstar gefeiert wird. Mit hoher Intensität und Ausdruckskraft spielte sie das Violinkonzert Nr. 5 von Wolfgang Amadeus Mozart. Und ihre Zugabe, ein Tango von Piazola, war ein virtuoser und packender Tanz auf den Saiten, der keinen Konzertbesucher kalt ließ.

Ähnlich ging es dem Publikum am Samstagabend. Felix Klieser, begnadeter Hornist, und die kammer:philharmonie westfalen präsentierten Mozarts Hornkonzerte Nr. 2 und 3. Auch Klieser musste man nicht lange um eine Zugabe bitten. Kaum hatten Dirigent Nabil Shehata und sein Orchester jedoch den versprochenen Satz aus dem Hornkonzert Nr.4 angefangen, zogen Blitz und Donner über den Platz. Intendant Dirk Klapsing unterbrach das Konzert, da die Gefahr eines Blitzeinschlags bestand. Nach dem sich der Himmel rund eine Viertelstunde mit Regen und Hagel ausgetobt hatte, zog aber wieder die Sonne auf und das Konzert konnte wie versprochen weitergeführt werden. Mit Haydns Sinfonie e-Moll Nr. 44 sollte es eigentlich ausklingen. Aber die kammer:philharmonie westfalen reagierte gern auf das anhaltende Hupen und Aufleuchten der Autoscheinwerfer. Mit einem Satz aus der „Kleinen Nachtmusik“ als Zugabe wurde ein glückliches Publikum auf den Heimweg geschickt.

Am Kommenden Wochenende geht es übrigens schon weiter im “Drive & Live” Autokino. Dann kommt der Hamburger Starpianist und Entertainer Joja Wendt nach Borken. Und der hat versprochen: “Das wird das großartigste Konzert, das Ihr je gesehen habt!” Alle Infos aus www.musiklandschaft-westfalen.de (kre)