Nach dem Outing kam das Aus

Nach seinem Outing wurde einem Referendar am Gymnasium Mariengarden das Angebot zur Festanstellung durch den Orden der Hünfelder Oblaten wieder entzogen / HALLO-Redakteurin Verena Rickert hat mit dem Schulleiter Michael Brands gesprochen

Am Gymnasium Mariengarden in Burlo wird derzeit heiß über die Entscheidung des Trägers der schulischen Einrichtung diskutiert. Foto: Wikipedia.de/Günter Seggebäing

Borken. Große Aufregung in Burlo: Nachdem sich ein Referendar am Gymnasium Mariengarden kurz vor der Vertragsunterzeichnung zur Festanstellung als homosexuell geoutet hat und angab, seinen Lebenspartner heiraten zu wollen, hat der Orden der Hünfelder Oblaten als Träger des Gymnasiums das Angebot der Festanstellung zurückgezogen. Und das, obwohl sich die Schulleitung und das Kollegium trotz seiner Homosexualität mehrheitlich für die Einstellung des Mannes ausgesprochen haben. Auch die Schüler des Gymnasiums sind verärgert über die Entscheidung des Ordens und denken nun über eine Protestaktion nach. In einem offiziellen Brief an die Eltern stellt Schulleiter Michael Brands den betroffenen Referendar als „kompetenten, engagierten und sehr angenehmen Kollegen“ dar, betont aber im gleichen Schreiben, dass „die kirchliche Vorstellung von Ehe und Familie nicht mit der Vorstellung des Bewerbers vereinbar ist“.

„Wir sind sicherlich kein Einzefall.“ Michael Brands, Schulleiter des Gymnasiums Mariengarden

„Die Entscheidung ist gefallen und daran können wir derzeit leider nichts ändern“, berichtet Michael Brands und ergänzt: „Wir unterliegen nun mal der kirchlichen Grundordnung und die besagt, dass sich unsere Mitarbeiter zu kirchlichen Lebensgrundsätzen bekennen und diese auch einhalten müssen. Das sind unsere ,Spielregeln‘, die auch jeder Bewerber kennt. Da können wir bedauerlicherweise nicht einfach ausscheren. Diese Thematik ist ja ein gesamtgesellschaftliches Problem und wir müssen sehen, wo die Reise nun hingeht.“ Er habe absolutes Verständnis dafür, dass die Entscheidung für viele nicht nachvollziehbar und unverständlich sei. „Es ist ein Thema, das einfach sehr viele aufwühlt. Doch wir sind und bleiben eine gute Schule, und daher wollen und müssen wir, auch zukunftsgerichtet, nun diese Auseinandersetzung führen“, betont Michael Brands. Auch, wenn die Schulleitung, das Kollegium, die Schulpflegschaft und die Schülervertretung nun darum bemüht sind, gemeinsame Gespräche zu führen und mit den Schülern im Dialog zu bleiben, müsse diese Angelegenheit nun zudem auf ganz anderer Ebene besprochen werden. „Die Frage ist doch: haben wir mit unserer Verpflichtung als Arbeitgeber dem Personal gegenüber in diesem Fall eine Wahl gehabt? Bedauerlicherweise wird die Problemstellung aufgrund der Aktualität im Moment auf unsere Schule heruntergebrochen – doch wir sind sicherlich kein Einzelfall“, macht Michael Brands deutlich und gibt zu bedenken, dass es seitens der katholischen Kirche ja bereits Anzeichen dafür gäbe, dass ein Umdenken stattfände. „Nur dauern solche Entscheidungen bekannterweise sehr lange, da sorgfältig abgewägt wird. Für unseren Fall fatalerweise viel zu lange“, so der Schulleiter.

„Alle Schüler sind herzlich willkommen!“

Ihm sei übrigens bewusst, dass es bei einigen Schülern nun aufgrund dieses Falles Bedenken und Ängste im Hinblick auf ihre Homosexualität gäbe. „Natürlich gibt es ganz bestimmt auch an unserer Schule schwule oder lesbische Schüler. Doch das darf man nicht mit unserem Personal gleichsetzen, das ganz anderen Auflagen unterliegt. An unserer Schule ist jeder Schüler herzlich willkommen“, versichert Michael Brands. (vr)