Der Synagogenkomplex an der Spoorstraat ist bis heute ein sichtbares Zeichen für jüdische Kultur in Winterswijk. Foto : pd,

WINTERSWIJK. Dora Jacoba Schaap (1778-1818) war die zweite Frau des Kaufmanns Casper Abraham Cohen, von dem sie vier Kinder bekam. Louis Schwarz (1866-1940) war ein erfolgreicher Unternehmer im Vieh- und Fleischhandel, dessen Name weit über Winterswijk hinaus bekannt war. Ernst Wolf (1906-1996) floh 1938 in die Niederlande und landete in Winterswijk.

Dies sind die Namen von Menschen, die mit der Winterswijker Shul verbunden sind. Mit ihren Namen verbunden ist zudem die Geschichte der örtlichen jüdischen Gemeinde. Diese und andere Geschichten werden diesen Sommer während der Führungen in deutscher Sprache erzählt, die jeden Donnerstag abends in der Synagoge in Winterwijk stattfinden.

Mit den deutschsprachigen Führungen wird dem wachsenden Interesse der Bewohner des westlichen Münsterlandes an der jüdischen Geschichte Winterswijks entsprochen. Auch an der deutschen Seite der Grenze gibt es noch immer Spuren jüdischen Lebens, z.B. jüdische Friedhöfe. In Winterswijk ist die einst reiche jüdische Kultur noch sichtbar im Synagogenkomplex an der Spoorstraat, der neben der Synagoge auch das Schulhaus, das Haus des Gemeindevorstehers, den alten Friedhof und -sehr selten- die Mikwe, ein rituelles Badehaus umfasst

Die Geschichte der jüdischen Kehilla (Gemeinde) in Winterswijk reicht zurück bis tief ins siebzehnte Jahrhundert. Um 1800 zählt die Gemeinschaft 50 Seelen. Die erste Synagoge wurde 1847 gebaut, die heutige, viel größere Shul wurde 1889 in Gebrauch genommen. Die jüdische Gemeinschaft wuchs stark. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gehörten 350 Personen zur jüdischen Gemeinde in Winterswijk. Die Synagoge ist das Herzstück des Komplexes an der Spoorstraat. In der Nähe der Synagoge wohnten die meisten jüdischen Familien Winterswijks. Viele Juden arbeiteten als Schlachter oder Viehhändler.

Die deutschsprachigen Führungen finden im Juli und August immer donnerstags um 19 Uhr statt. Aufgrund der Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie können maximal 30 Besucher pro Führung teilnehmen. Eine Voranmeldung für die Führungen im Internet über info@synagogewinterswijk.nl mit Namen, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse ist obligatorisch. Nach der Anmeldung gibt es eine Reservierungsbestätigung per E-Mail mit den Besuchsbedingungen (Stichwort Corona-Pandemie). Die erste deutschsprachige Führung findet am 2. Juli 2020 um 19 Uhr statt, die letzte am 27. August 2020.

Erwachsene bezahlten 5 Euro, Kinder bis 12 Jahre 3 Euro Einritt. Aus Respekt vor der jüdischen Tradition werden Männer gebeten, in der Synagoge eine Kopfbedeckung zu tragen. Man kann in der Synagoge eine Kippa leihen oder seine eigene Kopfbedeckung (Kapuze, Base-Cap) mitbringen. Eine einem Kirchenbesuch angemessene Kleidung sollte selbstverständlich sein. Weitere Informationen im Internet unter: www.synagogewinterswijk.nl. (pd/kre)