„Influencer für Gott“

Als „Kirchendude“ mischt Hanno Rother, Kaplan der Jugendburg Gemen, die sozialen Netzwerke auf.

Hanno Rother bietet Geistlichen sowie Menschen, die sonst nicht so viel "mit der Kirche am Hut haben" eine Plattform zum Austausch über diverse Themen. Foto: V. Rickert

Borken. Schon immer war Hanno Rother, Geistlicher Leiter der Jugendburg Gemen, sehr internetaffin und hatte den Drang möglichst vielen Menschen zu zeigen, „was man als Geistlicher noch so alles macht.“ Ende 2017 wurde der Burgkaplan zum ersten Mal zu einem offiziellen „Pen & Paper“ eingeladen. Hierbei handelt es sich um ein Spiel, bei dem die Mitwirkenden in fiktive Rollen schlüpfen und gemeinsam durch das Vorstellen ihrer Charaktere, Erzählungen und unter der Anleitung eines Spielleiters sowie dadurch – wie es der Name schon vermuten lässt – , dass sie sich Notizen machen, Abenteuer erleben und Herausforderungen meistern. Als bekannt wurde, dass das „Pen & Paper“ durch www.funk.net – dem Onlineangebot von ARD und ZDF – live im Internet übertragen wird und auch ein Vertreter der Kirche am Tisch sitzen würde, gab es nicht nur positive Stimmen. „Umso wichtiger war es mir, mich besonders gut auf das Spiel vorzubereiten und ein wenig Licht in das ,angestaubte’ Bild der Kirche zu bringen“, erzählt Hanno Rother.

Der bärtige Kirchendude ist cool“

Mit Erfolg: rund 18.000 Menschen verfolgten und kommentierten die Übertragung – das Video der Aufzeichnung wurde bis heute über 500.000 mal gesehen. „Ey, der bärtige Kirchendude ist ja voll cool“, lautete der Kommentar eines Users, und die Community stimmte prompt zu. Ab diesem Moment hatte der Priester des Bistums Münster seinen Spitznamen weg, und wurde unter den Gamern äußerst positiv diskutiert. Seitdem hat Hanno Rother an weiteren „Pen & Paper“-Übertragungen teilgenommen und seiner Rolle als „Influencer für Gott“ noch mehr Raum gegeben, mit dem Ziel, eine Plattform zum Austausch für Geistliche sowie auch für Menschen zu bieten, die mit der Kirchen sonst „nicht so viel am Hut haben“. So ist er als „Kirchendude“ nicht nur sehr aktiv auf den typischen Social-Media-Kanälen „Facebook“, „Twitter“ sowie „Instagram“ und auch „Youtube“, sondern ist zudem auch regelmäßig über das Live-Streaming-Videoportal „Twitch“ erreichbar. Inzwischen wird der Borkener – nicht zuletzt auch im Rahmen seines „Urlaubes“ auf der „Gamescom“ – sogar auf der Straße erkannt und nach Selfies und Autogrammen gefragt.

Ein bisschen wie Bildungsfernsehen“

„Ich finde es großartig, dass ich auf diesem Wege die Möglichkeit haben, live mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Dabei sind die Themengebiete völlig gemischt. Manchmal spielen wir einfach nur zusammen, dann sprechen wir aber auch wieder über aktuelle und auch ernste Themen, die die Menschen derzeit bewegen, wie beispielsweise den Klimawandel. Das geht häufig sehr in die Tiefe, es ist immer auch ein bisschen wie Bildungsfernsehen“, teilt der 38-Jährige mit, der es auch gerne mit „harten“ Kommentaren aufnimmt, vor allem, wenn es um Moralfragen geht. „Ob Debatten über Sterbebegleitung und Hospizarbeit oder Sex vor der Ehe: viele Menschen sind noch der Meinung, dass die Kirche bei gewissen Themen vor allem mit Verboten glänzt – doch man sollte recherchieren, woher diese Regeln eigentlich kommen und sich selbst hinterfragen, was man als richtig und als falsch erachtet“, gibt Hanno Rother zu bedenken und lädt alle Interessenten ein, selbst in den Austausch mit ihm und den anderen Usern zu treten.

Unter dem Radar der Kirche

„Inzwischen habe ich eine regelmäßige Zuschauerschaft, die sich witzigerweise selbst den Namen ,Gemeinde’ gegeben hat“, freut sich der „Kirchendude“ darüber, dass er mit seinem Wirken im Internet auf positives Feedback stößt. „Eines ist ganz klar: der Bedarf ist da und diesen Weg hat die Kirche bisher noch nicht bestritten. Diese Welt ist dort derzeit einfach noch unter dem Radar. Aufgrund meiner Erfahrung bin ich mir aber ganz sicher, dass es sich lohnt, diesen Ansatz des konstruktiven Austausches weiter zu verfolgen“, möchte Hanno Rother mit seiner Rolle als „Kirchendude“ noch viel bewirken. (vr)