Noch-Burgkaplan Hanno Rother intensiviert in Corona-Zeiten seine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken. Foto: Bischöfliche Pressestelle / Ann-Christin Ladermann

Borken-Gemen. Die meisten Mitglieder seiner virtuellen Community kennt Hanno Rother nur aus dem Chat. Und trotzdem ist unter den 1300 eine Gemeinschaft entstanden, in der munter miteinander geplaudert und kontrovers diskutiert wird – über Gott, die Welt und andere Themen. Seit dieser Woche setzt sich der Burgkaplan aus Gemen, der nach Ostern Pfarrer in Recklinghausen wird, täglich ab 16.30 Uhr vor die PC-Kamera. Seelsorge 2.0. Wer den Burgkaplan sucht, findet ihn im Stream auf seinem eigenen Kanal unter twitch.tv/kirchendude, aber auch unter @kirchendude ist er auf Instagram und bei Twitter aktiv. Bei Facebook gibt es ebenfalls eine Seite mit gleichem Namen.

Kirchendude, Rothers Name im Netz, ist in der Szene längst bekannt. Angefangen hat alles vor ein paar Jahren mit seiner Leidenschaft für „Pen & Paper“, einer Mischung aus Online-Gesellschaftsspiel, Erzählung und Improvisationstheater. Die Mitwirkenden schlüpfen in fiktive Rollen und erleben so abenteuerliche Geschichten. Ein Spielleiter setzt den Handlungsrahmen. Die Zuschauer können sich per Live-Chat und Twitter beteiligen. „Nach den Übertragungen habe ich viele positive Rückmeldungen bekommen“, erinnert sich Rother. „Mit der katholischen Kirche haben viele nichts am Hut, aber mich als Typen fanden sie anscheinend ganz cool“, fügt er mit einem Schmunzeln an. Diese Sympathieerklärungen wollte der Burgkaplan pastoral nutzen. Und als social-media- und gaming-affiner Theologe lag die Idee eines eigenen Streams ziemlich nahe.

„Es geht dabei nicht um Antworten“, erklärt Rother. Die Community-Mitglieder, die übrigens aus der gesamten Bundesrepublik und teilweise aus Österreich kommen, wollen darüber sprechen, besser gesagt schreiben, was sie bewegt: „Ich möchte deutlich machen, dass wir als Christen eine Botschaft haben, dass unsere Werte gut für das Miteinander in der Welt sind.“ Bei Glaubensfragen teilt der Burgkaplan auch persönliche Zweifel, persönliches Unverständnis, aber auch seine große Hoffnung und sein großes Gottvertrauen. „Wer eine Haltung hat und Argumente bringt, der wird in der Szene akzeptiert“, weiß Rother. Das allerwichtigste: „Man muss authentisch sein.“

Drei, vier Stunden sind ruckzuck vorbei, wenn der Burgkaplan vor dem Computer sitzt. In dieser Woche waren es sogar schon mal neun Stunden. Zeitverschwendung ist das nicht: „Ich mache Lobbyarbeit für die Kirche, ich bin so etwas wie ein Influencer, ein Werbeträger, für Gott.“ (pbm/gun)