Heute schon „geploggt“?

Das sogenannte „Plogging“, die Kombination aus Jogging und Müll sammeln, findet weltweit immer mehr Anhänger. HALLO-Redakteurin hat den begeisterten „Plogger“ Stefan Kluthe bei einem seiner Touren begleitet.

Folienballons haben nicht die Eigenschaft, sich in der Natur zu zersetzen. Foto: V. Rickert

Bocholt. „Ich hatte irgendwann einfach keine Lust mehr, mich darüber aufzuregen, dass so viel Müll achtlos in die Umwelt geschmissen wird“, berichtet Stefan Kluthe, während er sich seine Laufschuhe anzieht, und ergänzt: „Den Müll aufzusammeln und dadurch etwas Gutes zu tun, fühlt sich deutlich besser an, als sich über die Gleichgültigkeit anderer zu ärgern.“ Und so wurde es für den 44-Jährigen irgendwann zur Selbstverständlichkeit, auf dem täglichen Arbeits-Weg via Fahrrad Kaffeebecher, Chipstüten, Glasflaschen, Verpackungsmaterial von Fast Food-Ketten bis hin zu ganzen Müllsäcken oder auch Zigarettenstummel aufzusammeln, und diese in einem entsprechenden Mülleimer zu entsorgen. Inzwischen ist der Bocholter auch ein großer Fan des „Ploggings“, der Kombination aus Jogging und Müll sammeln. „Wenn man mit wachen Augen durch die Straßen läuft, fällt einem erstmal auf, wie viel Müll überall herumliegt“, erzählt er und fügt hinzu: „Viele Menschen in der Region regen sich zum Beispiel über den Plastikmüll in den Weltmeeren auf. Dabei ist jedes Teil Plastikabfall, das achtlos bei uns in die Landschaft geschmissen wurde, ein potenzielles Plastikstück in den Meeren, das durch Winde oder Flüsse dorthin gelangen kann.“ Heute werde ich den Bocholter auf einer seiner Plogging-Touren begleiten, und bin gespannt darauf, wie viel wir sammeln werden.

„Jedes Stück Müll, das in den Abfallkreislauf gerät, ist ein Erfolg.“

Stefan Kluthe

Stefan Kluthe berichtet regelmäßig auf der Socialmedia-Plattform „Instagram“ über seine Aktionen und macht außerdem auf die Folgen der Umweltverschmutzung für Mensch und Tier aufmerksam macht. So würde sich der engagierte Umweltschützer wünschen, dass ein generelles Umdenken in den Köpfen der Leute stattfindet und Umweltverschmutzung künftig durch hohe Strafen geahndet wird. „Die Städte machen diesbezüglich schon sehr viel, jetzt ist jeder Einzelne gefragt“, ruft der begeisterte „Plogger“ zum Mitmachen auf. Schon wenige Minuten, nachdem wir losgelaufen sind, ist sein Müll-Beutel randvoll. „Meistens finde ich auf meiner Runde noch eine Tüte oder ähnliches, um weiteren Abfall aufzulesen“, teilt mir Stefan Kluthe mit und drückt mir wenige Sekunden später eine leere Tüte in die Hand, die einsam am Wegesrand liegt.

Laufen, stoppen, Müll aufsammeln, weiterlaufen: Für Stefan Kluthe ist “Plogging”
inzwischen ein fester Bestandteil seines Alltags geworden.

Immer mehr Nachahmer

Eine Viertelstunde später begegnet uns eine Spaziergängerin und lobt unser Engagement. „Das könnte ich bei meiner täglichen Runde mit dem Hund ja eigentlich auch mal machen“, überlegt sie. „Bisher habe ich nur positive Reaktionen auf meine Aktionen erhalten und bin schon mit einigen Menschen ins Gespräch gekommen“, teilt Stefan Kluthe, der immer mehr Nachahmer findet, erfreut mit. So hat er unter anderem vor wenigen Tagen seinen Nachbarn dazu begeistern können, im Rahmen einer Stand-Up-Paddeling-Tour über die Bocholter Aa ein Teilstück des Flusses sowie das Ufer zu säubern. „Das werden wir definitiv wiederholen“, kündigt der Bocholter an. Nach guten drei Kilometern und einem Abstecher zum Glascontainer, trennen wir Müll aus drei vollen Tüten und ich bin überrascht über die große Menge, die innerhalb einer halben Stunde zusammengekommen ist. Derzeit überlegt Stefan Kluthe die Gründung eines Umweltschutzvereins für Bocholt. Wer sich ihm anschließen oder bei einer Plogging-Tour begleiten möchte, kann gerne via E-Mail an stefan-kluthe@outlook.de Kontakt zu ihm aufnehmen. (vr)