Gemeinde Raesfeld kauft Schloss

Akademie des Handwerks bleibt vor Ort, konzentriert sich aber auf Bildungsarbeit

Matthias Heidmeier, Hans Hund, Bürgermeister Martin Tesing und 1. Beigeordneter Markus Büsken (vordere Reihe v.l.n.r.) sowie die Fraktionsvorsitzenden verkündeten heute morgen den Kauf des Schlosses. Fotos: Ewald Kremer

RAESFELD. Die Gemeinde erwirbt zum 1. Januar 2022 den wesentlichen Teil von Schloss Raesfeld. Bisheriger Besitzer war der Westdeutsche Handwerkskammertag, dem die sieben nordrhein-westfälischen Handwerkskammern angehören. Er betreibt hier seit fast 70 Jahren die Akademie des Handwerks. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten bei der heutigen Pressekonferenz im Rathaus keine konkreten Angaben.

In der letzten Woche sei der einstimmige Ratsbeschluss zum Kauf gefallen, berichtete Bürgermeister Martin Tesing. Die Initiative dazu ging von der Akademie des Handwerks aus, die neu ausgerichtet werde, wie Hans Hundt, Präsident der Handwerkskammer Münster, erklärte. Die Gemeinde erwirbt das Hauptschloss samt 7,4 Hektar. Dazu zählen der Weinbergsteich, ein Waldstück sowie das Gelände am Naturparkhaus. Vorburg, Remise und Tiergarten bleiben in dem jeweiligen Privatbesitz. Die Akademie wird ihre Bildungsarbeit verstärkt in die in Erbpacht genutzte Vorburg verlegen, bleibt aber wie das Restaurant „Mahl & Meute“ auch Ankermieter im Hauptschloss.

Der schwarz umrandete Bereich geht in den Besitz der Gemeinde über. Vorburg und Remise sowie der Tiergarten verbleiben im Privatbesitz.

„Das Schloss ist identitätsstiftend für die Schlossgemeinde Raesfeld“, so Tesing. Es sei darüber hinaus Teil der 100-Schlösser-Route, Sitz der Geschäftsstelle Hohe Mark und ein beliebter Ort für Hochzeiten und Veranstaltungen. „Es bestand die begründete Gefahr, dies alles zu verlieren“, so der Bürgermeister. Elke Rybarczyk (SPD) brachte es folgendermaßen auf den Punkt: „Raesfeld ohne Schloss wäre wie Köln ohne Dom, wie Erle ohne Femeiche und wie Schützenfest ohne Bier“. Auch die anderen Parteienvertreter sahen in dem Kauf mehr Chancen als Risiken. Bernhard Bölker (CDU) sah die Entwicklungsmöglichkeiten des Gesamtensembles, wozu Karpfenteich, Mehrgenerationenpark mit Wassertretbecken, Boulenbahn und Gradierwerk gehörten. „So behalten wir das Heft des Handels in der Hand“, sagte Volker van Wasen (UWG). Henry Tünte (Grüne) kommentierte: „Der Kauf kam unerwartet und kurzfristig, ist aber wichtig für Raesfeld.“ Christoph Stephan (FDP) versprach, die Investition jährlich kritisch zu prüfen.

Tatsächlich blieben die Kosten zunächst im Dunklen. Man habe Stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart, so Bürgermeister Tesing. Der Preis bewege sich aber im Rahmen eines normalen Grundstücksgeschäftes und benötige keine außerplanmäßigen Mittel. Der Unterhalt, dazu werden mittelfristig auch Umbauten und Sanierungsmaßnahmen gehören, werde zum Wesentlichen aus Mieteinnahmen finanziert. Das Schloss sei aber für ein 400 Jahre altes Gebäude in einem erstaunlich guten Zustand, lobten die Fraktionsvorsitzenden.

Warum verkauft der Vorbesitzer überhaupt? Hans Hund und Matthias Heidmeier, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages, erläuterten: Der Besitz und Betrieb eines Schlosses sei keine originäre Aufgabe der Handwerkskammern. Zudem wolle man sich stärker auf das Bildungsgeschäft konzentrieren. Heidmeier präsentierte vier Säulen: Die Ausbildung zum Restaurator im Handwerk bleibe, nicht zuletzt wegen ihrer Einzigartigkeit und Bedeutung in Europa. Stärker in den Fokus rücke die Industrie-Denkmalpflege. Säule zwei sei das Sachverständigenwesen. „Säule drei ist neu. Hier geht es um den Aufbau einer Ehrenamts-Akademie“, so Heidmeier. Die Akademie solle für die über 20.000 Ehrenamtlichen im Handwerk Bildungsangebote in den Bereichen Rhetorik, Recht, Social Media etc. entwickeln. „Erste Formate dazu kommen in 2022 und wir haben bereits rund 120 Anmeldungen dafür.“ Auch die vierte Säule, die „Exzellenz-Initiative“ sei neu. Hier wolle man sichtbar machen, dass exzellentes Handwerk einen in die berufliche Spitze der Gesellschaft bringen könne. Das sei ein Beitrag, um nicht zuletzt dem Fachkräftemangel zu begegnen. (kre)