Landrat, Behördenchefs und Vertreter verschiedener Gesundheitseinrichtungen zeigten sich gut abgestimmt und präpariert, um gegen Infektionen mit dem Corona-Virus vorzugehen. Foto: Ewald Kremer

Kreis Borken. Die besonnene Reaktion der betroffenen Reisegruppe sowie eine gut abgestimmte Zusammenarbeit von Behörden, Kliniken und Ärzten haben im Fall der ersten Corona-Virus-Infektion im Kreisgebiet dafür gesorgt, dass die Weitergabe des Erregers schnell und wirksam unterbunden werden konnte. Alle sechs jungen Frauen (fünf aus Bocholt, eine aus Rhede), die am Samstag von einer Italienreise zurückkehrten, befinden sich seit ihre Rückkunft in Isolation. Sie sind zu je zwei Personen auf drei Privatwohnungen verteilt. Alle sind wohlauf, auch der infizierten Frau aus Bocholt geht es gut.

Das berichteten Vertreter des Krisenstabs beim Kreis Borken bei einer Pressekonferenz am heutigen Donnerstagnachmittag. Nach Auskunft der Leiterin des Kreisgesundheitsamtes Annette Scherwinski hätten sich die sechs Frauen wegen leichter Erkältungssymptome schon bei der Rückreise beim Bocholter Krankenhaus Rat gesucht. Über die Leitstelle wurde die Information zügig an das Gesundheitsamt gemeldet, das entsprechend früh beratend eingreifen konnte.

“Die Frauen haben sich am frühen Samstagnachmittag, fünf Stunden vor ihrer Rückkunft telefonisch gemeldet und sich danach strikt an unsere Instruktionen gehalten”, lobte Schwerwinski. Bereits am Montag seien Abstriche bei den jeweiligen Hausärzten gemacht worden. Die beauftragten Labore hätten ungleich lang für das Ergebnis gebraucht. Fünf Tests seien negativ gewesen, einer uneindeutig. Daraufhin habe das Gesundheitsamt am Mittwoch erneut Abstriche machen und untersuchen lassen. Mittwochabends habe dann das bekannte Ergebnis vorgelegen.

“Die Frauen haben auf dem Rückweg keinen Stopp mehr eingelegt. Sie waren zuvor am Gardasee und in der Lombardei unterwegs, aber nicht in den bekannten Risikogebieten”, berichtete die Kreisamtsärztin.

Wichtigste Regel bei Verdacht: Zuhause bleiben und beim Arzt anrufen!

Die Aufklärung über das richtige Verhalten im Verdachtsfall sei eminent wichtig, betonte Kreisdirektor Dr. Ansgar Hörster, um Infektionen schnell einzudämmen. Das heiße: Anrufen und auf keinen Fall in die Arztpraxen kommen. Gleiches gelte für Krankenhäuser, machte Dr. Klaus Winter, Ärztlicher Direktor des Klinikums Westmünsterland deutlich. “Leicht Erkrankte sollen den Virus nicht ins Krankenhaus bringen, um Personal und Patienten nicht zu gefährden. Wir haben von den Fehlern anderer Länder gelernt, wo so ganze Ärzte- und Pflegeteams ausgefallen sind. Das Personal zu infizieren wäre fatal, weil wir dann die schweren Fälle nicht behandeln könnten”, so Winter. Die Krankenhäuser im Kreis hielten insgesamt 43 Isolierzimmer bereit.

Dr. Amin Osmann, Vertreter der kassenärztlichen Vereinigung, und Hausärztin Martina Schrage vom Gesundheitsnetz im Nordkreis betonten, dass alle Arztpraxen gut vorbereitet sind, “Wir haben zahlreiche Anrufe, aber keine Panik. Schilder an den Praxistüren weisen darauf hin, dass man mit entsprechendem Verdacht die Praxis nicht betreten soll”, so Schrage.

Sie und Dr. Osman wiesen noch einmal auf das richtige Verhalten hin: “In der Praxis oder bei der Notfallnummer 116 117 anrufen. Der Abstrich kann zu Hause durchgeführt werden, der Arzt kommt nicht ins Haus. Die Probe soll durch einen Boten zur Praxis gebracht werden, wird dort noch vor der Tür in speziellen Behältern gesichert und unverzüglich an ein Labor geschickt.” (kre)