Daniel Ottensamer, Klarinettist bei den Berliner Philharmonikern, und viele weitere Topkünstler der Klassik spielen ab Mai in Borken. Foto: Julia Stix

Borken. Die Kölsch-Rocker von Brings haben es getan, die Rapper Sido und Alligatoah ebenso. Sie haben Live-Konzerte im Autokino gegeben und damit Begeisterungsstürme geweckt. Auch Theaterleute, Kabarettisten, DJs und die Kirchen haben das Autokino-Format entdeckt, um den Menschen in Corona-Zeiten ein kleines Stück Kultur zu bieten – mit dem nötigen Abstand und Schutz vor Ansteckung.

Bis dato weltweit einzigartig aber ist das Format, das sich die Macher der musik:landschaft westfalen (m:lw) ausgedacht haben. Intendant Dirk Klapsing und sein Team (die auch HALLO und We love Borken verantworten) bringen seit 2009 klassische Musik an ungewöhnliche Orte – und nun erstmals auf eine Autokino-Bühne, die eigens dafür hier in Borken errichtet wird – auf dem Parkplatz am Aquarius. „Drive & Live“ lautet der eingängige Name des neuen Festivals. Die Pianisten Christoph Eschenbach, Martin Stadtfeld und Justus Frantz, die Brüder Daniel und Andreas Ottensamer (Klarinette), Felix Kliesner (Horn), der ungarische Stargeiger Jószef Lendvay und viele andere herausragende Interpreten der Klassik werden live vor Ort spielen – vor bis zu 250 Zuschauern, die in ihren Autos die jeweils einstündigen Konzerte mitverfolgen können.

Ausnahmegeiger Christian Tetzlaff ist dabei. Foto:Giorgia-Bertazzi

Wir geben den Künstlern die Bühne zurück

„Wir haben eine große Schar an international renommierten Künstlern verpflichten können, die ihresgleichen sucht. Kein anderes Klassikfestival kann das derzeit in dieser Dichte vorweisen“, freut sich Dirk Klapsing. „Die Corona-Krise gefährdet nicht nur unsere normale Konzertsaison, auch die Künstler haben aktuell keine Engagements und keine Einnahmen. Wir geben ihnen nun mit Drive & Live die Bühne zurück.“

Bei den Künstlern traf er mit der Idee auf riesige Begeisterung. „Jeder, den ich angerufen habe, hat sofort zugesagt“, berichtet Klapsing. Dazu gehörten beispielsweise der Ausnahme-Percussionist Martin Grubinger und der Cellist Claudio Bohórquez, Künstler von Weltrang wie auch Sergej Nakariakov (Trompete), Christian Tetzlaff (Violine), der Wiener Philharmoniker Daniel Ottensamer (Klarinette) und dessen Bruder Andreas (Berliner Philharmoniker) sowie dessen Kollegen Noah Bendix-Balgley (1. Konzertmeister Berliner Philharmoniker) und Stephan Koncz (Cello/Berliner Philharmoniker). Auch der renommierte Geiger und Dirigent Martin Panteleev und Musiker der Festival Philharmonie Westfalen spielen in Borken.

Das Popularfach wird ebenfalls vertreten sein. „Die Höhner“ aus Köln haben ihren Auftritt bereits zugesagt. Götz Alsmann und die Beatles-Tribute-Band „Kaiserkeller“ werden ebenfalls kommen. „Aktuell haben wir bereits 20 Konzerte terminiert, weitere sind in Planung“, sagt Dirk Klapsing.

Justus Frantz spielt zum Auftakt am 15. Mai Werke von Chopin. Foto: pd

Start mit Chopin-Abend am 15. Mai

Ab dem 15. Mai geht es los mit Justus Frantz und einem Chopin- Abend, am 16. Mai widmet sich der Pianist Martin Stadtfeld Beethoven. Jeweils freitags und samstags um 19 und 21 Uhr gibt es ein einstündiges Konzert – sechs bis acht Wochen lang. Rund 125 Pkw fasst der große Parkplatz am Rande des Stadtparks – unter Einhaltung aller Vorschriften der Corona-Schutzverordnung. Die Autos stehen in entsprechenden Abständen vor der großen Bühne und haben durch die Windschutzscheibe freie Sicht auf die Interpreten. Sie dürfen maximal mit zwei Personen besetzt sein. Eine große LED-Leinwand sorgt dafür, dass auch in den letzten Reihen noch beste Sicht herrscht. Die Künstler agieren natürlich ebenfalls mit dem entsprechenden Sicherheitsabstand. Die Konzerte werden professionell abgemischt, der Ton gelangt per Funksignal auf das Autoradio. Die Fahrer müssen lediglich die vorgegebene UKW-Frequenz anwählen. Sie bekommen mit dem Ticket eine genaue Erläuterung zu An- und Abfahrt sowie zu den einzuhaltenden Sicherheitsregeln.

Einen Programmüberblick gibt es auf der Internetseite www.musiklandschaft-westfalen.de. Hier kann man ab dem 30.04. auch Karten buchen, außerdem an den cts-Vorverkaufsstellen sowie unter der Ticket-Hotline 02861 703 85 86.