Andreas Grotendorst, Bürgermeister von Raesfeld, hat sich in einem "Offenen Brief" an seine Bürgerinnen und Bürger gewandt. Foto: pd

Raesfeld. In einem “Offenen Brief” hat Bürgermeister Andreas Grotendorst heute sehr eindringlich an die Bürgerinnen und Bürger seiner Gemeinde appelliert, die Corona-Viurs-Krise ernst zu nehmen. Um die Gefährlichkeit der Lage zu betonen, hat er ein Rechenbeispiel angefügt, wonach ohne Quarantäne, Schutzmaßnahmen und soziale Isolation die Rate der Infizierten in der Gemeinde rasant nach oben schnellen würde. In Raesfeld gibt es aktuell 20 bestätigte Infektionen (Stand 19.03., 15 Uhr), nach Grotendorst Rechenbeispiel würden sie in 27 Tagen auf 10.240 Fälle steigen.

„Leider haben wir hier im Krisenstab den Eindruck, dass noch längst nicht bei ALLEN angekommen ist, dass es sich nicht um eine Grippewelle handelt“, schreibt der Bürgermeister. „Nein, es handelt sich um eine sehr ernst zu nehmende Krankheit. Diese kann schon in wenigen Tagen unser ganzes Gesundheits-/ Wirtschaftssystem und gesellschaftliches Leben gefährden oder noch schlimmer: lahmlegen. Und das ist keine Übertreibung oder Panikmache. Gestern sah man noch Kinder im Dorf auf Spielplätzen, Jugendliche auf dem Kunstrasenplatz oder Menschen, die ihre wöchentliche Pättkestour veranstalteten. Deshalb meine dringende Bitte an Euch: Verzichtet auf soziale Kontakte und wenn nötig haltet einen Mindestabstand zu anderen Menschen von zwei Metern ein!“

Ohne Schutzmaßnahmen würden sich über 7000 Bürgerinnen und Bürger anstecken

Von den rund 11.300 Einwohnern der Gemeinde würden sich nach der Modellrechnung des Bürgermeisters etwa 60 bis70 Prozent anstecken. Das sind über 7000 Personen. Davon müssten etwa 1400 stationär behandelt werden. 70 müssten gar auf die Intensivstation eines Krankenhauses. „Wir wissen alle, dass die vorhandenen Krankenhauskapazitäten dafür in keiner Weise ausreichen! Ohne Schutzmaßnahmen würde unser Wirtschafts- und Gesundheitssystem also nach in kürzester Zeit kollabieren“, schreibt Andreas Grotendorst.

Der Bürgermeister findet auch anerkennende Worte. Dem besonnenen Verhalten der Urlaubsrückkehrer sei es zu verdanken, dass die Fallzahlen in Raesfeld seit fünf Tagen nicht angestiegen sind. „Dafür danke ich allen nochmal ausdrücklich. Wären diese unkontrolliert in ihr soziales Umfeld zurückgekehrt, hätten wir bei weitem mehr als 20 Infektionsfälle und damit ein deutlich erhöhtes Risiko der Verbreitung“, so der Bürgermeister.

Den kompletten Wortlaut des “Offenen Briefes” gibt es auf ww.raesfeld.de.(pd/kre)