Seinen Abschied aus Gemen hatte sich Burgkaplan Hanno Rother eigentlich anders vorgestellt. Doch ein Gottesdienst mit vielen Gästen ist während der Corona-Pandemie nicht möglich. Foto: Bischöfliche Pressestelle / Ann-Christin Ladermann

Gemen. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat Hanno Rother ganz allein auf der Jugendburg gewohnt: „Das war schon ein wenig spooky“, gesteht der 38-Jährige, der sonst keineswegs ein ängstlicher Typ ist, aber doch auch gerne Menschen um sich herum mag. Deshalb hatte er sich seinen Abschied nach fünf Jahren als Burgkaplan auch anders vorgestellt. Mit Gottesdienst und vielen Gästen. Doch daraus wurde nichts. Auch die freie Zeit zum Durchatmen und die geplanten Exerzitien – alles ausgefallen. Bevor er Mitte Mai als Pfarrer nach Recklinghausen wechselt, ist Rother vorübergehend in ein Gästezimmer gezogen, damit die Wohnung des Burgkaplans für seinen Nachfolger Ralf Meyer renoviert werden kann.

Nicht nur wegen des abrupten Endes wird sich Hanno Rother an die Zeit auf der Jugendburg Gemen, einer Bildungsstätte des Bistums Münster, in besonderer Weise erinnern: „Es hat viele Ereignisse und Veranstaltungen gegeben, die ich nicht vergessen werde.“ Als Erstes nennt er die Kar- und Ostertage, zu denen jedes Jahr mehr als 100 Jugendliche und junge Erwachsene auf die Burg kommen: „Es ist toll, was Ehren- und Hauptamtliche mit ganz viel Herzblut auf die Beine stellen.“ Aber auch zu erleben, wie intensiv die teilnehmenden Jugendlichen diese Tage mitfeiern, hat den Priester tief berührt. Gerne hat der Burgkaplan Gottesdienste in der Kapelle gefeiert. Nicht selten gab es Rückmeldungen von den Jugendlichen, dass ihnen Texte und Lieder gefallen haben: „Durch die räumliche Nähe in der Kapelle ist es gelungen, eine Beziehung zwischen dem Zelebranten und den Gottesdienstteilnehmern entstehen zu lassen.“ Daran möchte er in Recklinghausen anknüpfen, auch wenn der Kirchenraum dort deutlich größer ist.

Sehr beeindruckt hat ihn die hohe Identifikation des gesamten Teams – bestehend aus pädagogischen Mitarbeitenden, Verwaltungskräften sowie dem Küchen- und Raumpflegepersonal – mit der Burg als Arbeitsplatz: „Die allermeisten leisten weit mehr als sie müssten.“ Selbst Ehemalige seien der Burg weiter eng verbunden: „Das zeigt der Hashtag #burgliebe.“

In einer Burg leben und arbeiten zu dürfen, hat Rother als Privileg empfunden: „Wer sieht schon seine Wohnung in diversen Bildbänden…“, fügt der Burgkaplan mit einem verschmitzten Lächeln an. Dass er frei arbeiten und vieles ausprobieren konnte, dafür ist er dankbar. So hatte er neben den dienstlichen Verpflichtungen auch Zeit zu experimentieren, inwieweit digitale Medien pastoral einsetzbar sind: „Eine Leidenschaft, die ich auch künftig weiter pflegen möchte.“ Unter anderem als Kirchendude.

Doch Hanno Rother taucht nicht nur in virtuelle Welten ab, der 38-Jährige kennt zweifellos das reale Leben. Als Feuerwehrmann im Löschzug Gemen. Dort hat sich der gebürtige Dorstener ehrenamtlich engagiert, ist im Ernstfall mit ausgerückt. Nicht als Seelsorger, aber bei dramatischen Einsätzen auch als Seelsorger. Dass er anders ist, als manche sich einen katholischen Priester vorstellen, damit kann Hanno Rother prima leben. Doch als Rebell in Kirchenkreisen sieht er sich nicht: „Ich bin nur kein Konformist.“ (pd)