Die Stadt Borken will das Lüften in der Schule optimieren - mit CO2-Messgeräten. Foto: AdobeStock

BORKEN. Die Stadt Borken hat für die Schulen, für die sie als Schulträger zuständig ist, über 200 CO2-Messgeräte beschafft. Zunächst würden die Grundschulen mit den Geräten ausgestattet, schreibt Stadtpressesprecher Markus Lask. Sie kämen passend zum Schulstart am kommenden Montag (22.02.) zum Einsatz. „Die Stadt Borken setzt dabei weiterhin auf die regelmäßige Lüftung der Klassenräume, die bei allen Klassenräumen in Borken gewährleistet und schnell möglich ist. Die CO2 Messgeräte eignen sich optimal zur Überwachung der CO2-Konzentration in den Klassenräumen. Der CO2 Gehalt ist zur Bestimmung der Raumluftqualität entscheidend und hilft dabei, das Lüftungsverhalten der Lehrerinnen und Lehrer zu optimieren“, so der Wortlaut der Pressemitteilung. Und weiter: „Die Stadt Borken sieht aktuell den Einsatz von Luftreinigungsgeräten auf Basis der Erkenntnisse des Umweltbundesamtes als nicht sinnvoll an. Nach einem Gutachten des Umweltbundesamtes ist der Einsatz von mobilen Luftreinigern nur ergänzend sinnvoll, wenn eine ausreichende Lüftung nicht sichergestellt werden kann. Dies ist an Borkener Schulen nicht der Fall. Alle Räume können per Fenster gut gelüftet werden. Zudem wird durch die Geräte keine Lüftung ersetzt.“

Solche CO2-Messgeräte sollen den Lehrerinnen und Lehrern anzeigen, wann die Raumluft verbraucht und es Zeit zum Lüften ist. Foto: www.woehler.de

Die Stadt bezieht sich auf eine Empfehlung des Bundesumweltamtes vom 22. Oktober 2020, das zur Begründung seiner kritischen Einschätzung heranführt, die Wirksamkeit mobiler Luftreinigungsgeräte im Hinblick auf die Reduzierung von SARS-CoV-2-Viren sei in vielen Fällen bislang nicht eindeutig nachgewiesen. https://www.umweltbundesamt.de/themen/mobile-luftreiniger-in-schulen-nur-im-ausnahmefall

Universitäten kommen zu anderen Erkenntnissen

Zu einer anderen Einschätzung kam bereits im August 2020 die Universität der Bundeswehr München. Sie stellte fest, dass der untersuchte Raumluftreiniger die Aerosolkonzentration in einem Raum von 80 Quadratmeter in sechs Minuten halbierte. Bei Dauerbetrieb war die Verweildauer des ausgeatmeten Aerosols im Raum so kurz, dass eine Anreicherung der Raumluft mit infektiösen Aerosolen nicht möglich ist. https://www.unibw.de/home/news-rund-um-corona/corona-infektionsgefahr-in-raeumen

Die Uni Frankfurt veröffentlichte Anfang Oktober 2020 eine Studie, wonach Luftreiniger sogar 90 Prozent der Aerosole in Schulklassen beseitigen. Hier waren allerdings Schwebstofffilter im Einsatz, die nicht nach der EU-Norm EN 1822 als H13-Filter klassifiziert waren, sondern nach der amerikanischen Norm DOE STD 3020 2015. https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/studie-zeigt-luftreiniger-beseitigen-90-prozent-der-aerosole-in-schulklassen/

Bereits im Einsatz sind Luftreiniger in der DRK-Kita in Rhede-Krechting. Foto: DRK/and

Diverse Einrichtungen im Kreis setzen auf Luftreinigung

Zum Verständnis: Der gefährlichste Infektionsweg des SARS-CoV-2-Virus geht über die Luft: Beim Niesen oder Husten etwa schleudern Infizierte verhältnismäßig große Tröpfchen von sich, die allerdings im Umkreis von zwei Metern zu Boden sinken. Darum tragen wir Masken und halten Abstand. Wichtig sind aber auch die Aerosolpartikel, feinste Tröpfchen in der Luft, die beim Sprechen oder Atmen abgesondert werden. Studien zeigen, dass infektiöse SARS-CoV-2-Viren in solchen Aerosolen auch mehr als drei Stunden nach der Emission noch nachgewiesen werden können. Die Flüssigkeit in solchen Aerosolpartikeln verdampft schnell, wodurch sie kleiner werden und sich innerhalb von wenigen Minuten in einem Raum ausbreiten können.

Luftreiniger sollen die Kleinstpartikel ausfiltern können. Als Ergänzung zum Lüften dürften sie somit durchaus sinnvoll sein. Das sieht auch der Kreissportbund Borken so, der gerade sechs Geräte für seine Kitas angeschafft hat. Das Rotes Kreuz Borken rüstete 16 Kitas mit 57 professionellen Luftreinigern aus. Und auch die Stadt Stadtlohn hat für ihre Schulen 40 mobile Luftreinigungsgeräte einer Firma aus Vreden angeschafft. Das Land NRW hat gerade ein Förderprogramm dafür aufgelegt. (kre)