Umweltschützer untersuchen Brunnenwasserproben auf Nitrat. Die Überdüngung der Böden belastet das Grundwasser auch in Borken und Umgebung. Fotos: pd

KREIS BORKEN. Der VSR-Gewässerschutz e.V. musste leider wieder vielen Bürgern mitteilen, dass ihr Brunnenwasser zu viel Nitrat enthält. Das frustriert gerade die Familien, die ihren Garten gerne nutzen. Im Sommer wird dort viel Wasser benötigt, um das selbst angebaute Gemüse zu gießen oder das Planschbecken für die Kinder zu füllen. Dafür möchten viele Gartenbesitzer kein Leitungswasser verschwenden, sondern ihren Brunnen nutzen.

Ob das ohne Gesundheitsgefährdung möglich ist, wollten in diesem Jahr 28 interessierte Bürger wissen und ließen ihre Wasserproben am Informationsstand am 8. September in Borken untersuchen. Jeder fünfte Brunnenbesitzer aus dem Raum Raesfeld – Borken – Heiden – Velen wurde enttäuscht: Die Nitratkonzentration ihrer Wasserprobe überschreitet den Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter.

Die Ursache für die hohe Nitratbelastung des Grundwassers ist die intensive Landwirtschaft, die nur mit Subventionen so wachsen konnte. „Die EU-Agrarpolitik fördert bis heute Betriebe, für die hohe Erträge an erster Stelle stehen und die Verringerung der Nitratbelastung nur lästige Auflagen sind, die sie versuchen zu umgehen“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Die gemeinnützige Organisation fordert von der Politik, dass Subventionen nur noch an Landwirte mit einer gewässerschonenden Bewirtschaftung gezahlt werden.

Dipl.-Phys. Harald Gülzow und Milan Toups fanden bei den Untersuchungen 142 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Borken. Weiteren mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Heiden mit 52 Milligramm pro Liter (mg/l) und in Marbeck mit 66 mg/l fest. Am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung zeigten sich viele Brunnenbesitzer wütend über die Nitratbelastung der Region. Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist. Vielen Bürgern wurde durch ihr eigenes Ergebnis klar, wie stark das Grundwasser in ihrer Region bereits belastet ist und möchten eine Änderung.

Auf einer interaktiven Nitratkarte veranschaulicht der VSR-Gewässerschutz in welchen Regionen die Nitratbelastungen besonders hoch sind (www.vsr-gewässerschutz.de/nitratbelastung). (pd/kre)

Milan Toups (Mitarbeiter beim VSR-Gewässerschutz) berät eine Brunnenbesitzerin über die Möglichkeit einer Wasseruntersuchung.