Borkener Polizistin fährt zur Body-Building-EM

Anneke Gerdemann tritt im Juni in Rom an und verfolgt damit ein klares Ziel: die Qualifizierung für die Fitness- und Body-Building-Weltmeisterschaften im November in Straßburg.

Für die Europameisterschaften im Juni hat sich Anneke Gerdemann im Mai dieses Jahres durch ihren dritten Platz bei "Mrs. International" in Selm qualifiziert. Foto: Stefan Krolikowski

Borken/Gescher. „Als Kind von zwei Sportlehrern war Sport schon immer ein wichtiges Thema in meinem Leben“, erzählt Anneke Gerdemann und ergänzt: „Unsere Eltern haben uns jedoch eher breitensporttechnisch erzogen.“ So betrieb die Gescheranerin in ihrer Kindheit und Jugend vor allem Leichtathletik und Tennis, lief als junge Erwachsene täglich zwölf Kilometer und ritt zudem regelmäßig. Dass sie sich eines Tages im knappen Bikini auf eine Bühne wagen und ihre stählernen Muskeln vor Publikum präsentieren würde, wäre für die Borkener Polizistin bis vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen. „Vollgepumpte Frauen mit männlichen Gesichtszügen und künstlicher Bräune – ich gebe zu, dass Body-Building eigentlich immer ein absolutes No-Go für mich war“, berichtet Anneke Gerdemann.

Body-Buildung war eigentlich ein No-Go“

Vor 14 Jahren besuchte sie zum ersten Mal ein Fitnessstudio und verlagerte ihr dortiges Training nach und nach immer mehr in den Gerätebereich. „Irgendwann setzte ich mir das Ziel, mein eigenes Körpergewicht von damals rund 65 Kilogramm beim Bankdrücken zu stemmen, wozu natürlich auch andere Muskelgruppen trainiert werden mussten“, erläutert Anneke Gerdemann die Anfänge ihres Krafttrainings. „Mir ging es darum, mein Ziel zu erreichen sowie meine Körperproportionen zu definieren“, so die 38-Jährige. Schließlich wurde sie von einer Freundin darauf angesprochen, ob sie nicht mal Lust hätte, auf die Bühne zu gehen – immerhin sei ihr Oberkörper so gut in Form. „Nachdem ich zugesagt hatte, mit zu ihrem Coach nach Köln zu fahren, wovon ich mir wenig erhoffte, fuhr ich mit einem Diät- sowie neuen Trainingsplan zurück“, berichtet Anneke Gerdemann. Zuckerhaltige Lebensmittel, Obst und Mehlspeisen waren für sie ab sofort tabu, ebenso das tägliche Laufen. Stattdessen übte die Polizeikommissarin nun zusätzlich zum Training im Fitnessstudio spezielle Posen, um sich bei einem Wettbewerb richtig in Szene zu setzen. Nach nur sieben Wochen nahm sie als „Newcomer“ an ihrer ersten Meisterschaft, den „Freeclassics“ in Koblenz, teil. „Auf Anhieb schaffte ich es auf den fünften Platz, und entschied mich dazu, drei Wochen später bei den Westdeutschen Meisterschaften anzutreten“, erinnert sich die ehrgeizige Body-Builderin, die inzwischen erfolgreich an zahlreichen Meisterschaften teilgenommen hat, an die Anfänge ihrer Karriere zurück.

Sport fördert Selbstbewusstsein

„Eigentlich war ich immer sehr sensibel und zurückhaltend, doch durch den Sport habe ich deutlich an Selbstbewusstsein hinzugewonnen, was mir nicht nur im Alltag sondern natürlich auch im Berufsleben zugutekommt“, teilt die Polizeikommissarin mit. „Auch, wenn ich vor jedem Wettkampf noch etwas aufgeregt bin, fühle ich mich auf der Bühne wie ein anderer Mensch. Selbst meine Mama sagt, dass ich dann immer ganz besonders strahle“, freut sich Anneke Gerdemann jedes Mal wieder über ihre Auftritte und fiebert nun der Europameisterschaften im Juni in Rom entgegen. Für diese hat sie sich im Mai dieses Jahres durch ihren dritten Platz bei „Mrs. International“ in Selm qualifiziert und verfolgt mit der Teilnahme ein ganz klares Ziel: „Ich möchte im November bei den Fitness- und Body-Building-Weltmeisterschaften in Straßburg antreten“, ist Anneke Gerdemann fokussiert auf ihren großen Traum. (vr)