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Reden wir über die Blase! Gemeint ist nicht die Schwippschwägerin von eingewachsenen Fußnägeln und Hornhautverkrümmung am Hühnerauge. Auch wenn unsere Fußgesundheit mal eine Glosse verdient hätte. Es geht um die Meinungsblase, in der es sich – so scheint es zumindest – immer mehr Leute häuslich einrichten.

Eine Glosse von HALLO-Redakteur Ewald Kremer

Eine Meinungsblase entsteht, wenn eine Gruppe von Menschen anfängt, sich nur noch mit Informationen aus einem überschaubaren Fundus zu beschäftigen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Trump-Anhänger, die sich in ihrem ganz eigenen Kosmos bewegten (bzw. immer noch bewegen), und immun gegen alles zeigten, was nicht in ihr Weltbild passt. Sie handeln, wie mein in die Jahre gekommener Hund. Der hört auch nur noch das, was ihm gerade genehm ist.

In der Pandemie fielen insbesondere die Follower von Ken Jebsen, Attila Hildmann, Xavier Naidoo und anderen Neo-Propheten auf, die meinten, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. In der sogenannten Querdenker-Szene führte das zu höchst absurden Koalitionen von Globalismuskritikern mit Globuli-Fans, von Esoterikern mit Fantastoklerikern, von ums Recht Besorgten mit Rechtsextremisten, von Friedensaktivisten mit Gewaltbegeisterten und von Impfskeptikern mit septischen Pimpfen. Offensichtlich leben diese Menschen in einer Art Parallelwelt, von der Normalsterbliche keine Ahnung haben. Ihre eigene Unterschiedlichkeit fiel ihnen gar nicht auf bzw. wurde ignoriert.

Gesellschaftswissenschaftler erklären sich das Phänomen der Blase so: Durch unzählige Rückkoppelungsprozesse und Feedbackschleifen innerhalb einer Meinungsblase verfestigt sich eine Überzeugung dermaßen stark, dass man ihr mit Fakten und guten Argumenten nicht mehr beikommen kann. Die Verbindungen zum größeren System (der Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt) ist verzögert oder ganz unterbrochen. Man hört nur immer wieder das Gleiche von Seinesgleichen. Das Handeln in der Blase basiert auf ungeprüften Annahmen, die wahr scheinen, es aber nicht unbedingt sind. Oder anders ausgedrückt: Blasenbewohner agieren nach dem Pippi Langstrumpf-Prinzip: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“

Das gilt übrigens nicht nur für die Meinungsblase. Die Hauptursache für die weltweite Finanzkrise von 2007 beispielsweise war eine Immobilienblase, ein spekulativ aufgeblähtes Geschäftsmodell mit Grundstücken und Häusern in den USA, das schließlich in die Luft flog. Was mich an die Seifenblase denken lässt. Auch die schillert in allen Farben und wird doch nur durch ein wenig Oberflächenspannung gehalten. Kommt sie in Kontakt mit einem festen Körper, zeigt sie Blasenschwäche. Sie zerplatzt und erweist sich als das, was sie ist: schnöde Seifenlauge!

Was kann man tun, um selbst nicht in die Gefahr zu geraten, ein „blasierter“ Mensch zu werden? Den Austausch suchen, Wissen aneignen, Fakten checken und im Kopf offen bleiben. Wissend, dass es zwischen schwarz und weiß noch unendlich viele andere Farben gibt. Es ist jedenfalls nicht gut, dauerhaft im eigenen Saft zu schmoren. Außer man ist ein Sonntagsbraten.