Vertreter von Landwirtschaftskammer und -verband im Kreis Borken schauten heute im Rahmen des Erntebilanz-Pressegespräches auf dem Hof Sicking in Reken auf die derzeitige Situation in der Landwirtschaft (v.l.): Rekens Ortslandwirt Hermann-Josef Oergel, die Gastgeber Sandra, Klaus und Rene Sicking, Kreisstellen-Mitglied Helena Oing und der Stellvertretende WLV-Kreisverbandsvorsitzende, Markus Weiß. Foto: Stephan Wolfert, WLV

REKEN/KREIS BORKEN. Die Erntebilanz 2021 der Bauernfamilien im Kreis Borken fällt gemischt aus. Dieses Fazit zogen gestern Vertreter von Landwirtschaftskammer und -verband im Kreis Borken im Rahmen des Erntebilanz-Pressegespräches auf dem Hof Sicking in Reken. Nach den beiden von großer Trockenheit geprägten Vorjahren gab es 2021 einen Sommer mit überdurchschnittlich viel Niederschlag, örtlich im Juli sogar mit extremen Regenmengen. Auch aufgrund des nasskalten Monats April erreichen die meisten Kulturen dennoch keine Spitzenerträge. „So sehr uns das Wasser in den letzten Jahren auch gefehlt hat, in diesem Jahr war es teilweise fast schon ein Problem”, fasste es Helena Oing, ehrenamtliches Kreisstellen-Mitglied, aus Sicht der Landwirtschaftskammer NRW zusammen. Insgesamt erfreuliche Ergebnisse konnte die Gronauer Landwirtin für Gras, Raps und für die jetzt laufende Maisernte bilanzieren. Schlechter als im Frühsommer noch erhofft und insgesamt höchst unterschiedlich waren die Ergebnisse allerdings beim Getreide.

Große Sorgen macht den Landwirtschaftsvertretern allerdings die derzeitige Situation für die im Westmünsterland wichtige Tierhaltung – vor allem bei den Schweinen, wie auch Markus Weiß aus Borken als stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender herausstellte: „Die Bauernfamilien im Kreis Borken sind zu Veränderungen bereit und setzen diese auch bereits um. Aber höherer Aufwand durch höhere Standards braucht auch eine Entlohnung und dies fehlt aktuell.” Der gastgebende Schweinehalter Klaus Sicking und sein Sohn und Betriebsnachfolger René, der derzeit an der Fachschule für Agrarwirtschaft in Borken an seinem Abschluss als staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt baut, stecken mit einem Antrag zum Bau eines Ferkelstalls seit 2014 in der Warteschleife. „Es fehlt an der rechtlichen Grundlage und es gibt auch keine wirtschaftliche Verlässlichkeit”, sagt Klaus Sicking. Einen Weg hat der Betrieb für sich zuletzt in der stärkeren Vermarktung über den regionalen Lebensmitteleinzelhandel und Großkantinen gefunden, die mit Regionalität und Nachhaltigkeit punkten wollen. In diesen Verkaufsargumenten sieht Weiß eine Chance für die heimische Tierhaltung insgesamt: „Regionalität ist ein wichtiger Faktor, der den Unterschied macht – vor allem hinsichtlich Tierschutz, Klimabilanz und Versorgungssicherheit. Da sehe ich auch den LEH in der Pflicht, das noch stärker ins Zentrum zu stellen.” Viele Landwirte im Westmünsterland haben diese Chance für sich auch längst erkannt. Direktvermarktung mit Ab-Hof-Verkauf von Lebensmitteln haben in den letzten beiden Jahren deutlich zugenommen. (pd/kre)