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BORKEN / AHAUS. Uli Schulten hatte Tränen in den Augen, als er sich von „seiner Gruppe“ verabschiedete. Ein Jahr lang hat er gemeinsam mit 13 Mitstreiterinnen in einer Fortbildung beim Klinikums Westmünsterland auf seine Qualifizierung zur Präsenzkraft hingearbeitet. Am Donnerstag nahm er aus den Händen von Ulli Tobias Schmäing von der IHK Münster sein Zertifikat entgegen.

Der Abteilungsleiter Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer hatte es sich nicht nehmen lassen, persönlich anzureisen, um die Kursteilnehmer auszuzeichnen. „Das war ein Lehrgang par excellence“, lobte er. Bei der IHK sei man „total froh, dass Sie weitergemacht haben.“ Vieles an dem Kurs war besonders gewesen: Mit Uli Schulten hatte seit Beginn der Präsenzkräfte-Fortbildung im Klinikum Westmünsterland vor 14 Jahren zum ersten Mal ein Mann die Qualifizierung abgeschlossen. Außerdem machte die Corona-Pandemie den Kurs zu einer Herausforderung für Veranstalter und Teilnehmer. 

„Das war ein heftiges Jahr“, sagte denn auch Bereichsleiter Michael Brinkmöller vom Pflegenetz Westmünsterland. „Normalerweise haben alle Kursteilnehmer eine Dreifach-Belastung: Familie, Beruf und Weiterbildung“, erklärte er. „Diesmal war es eine vierfache.“ Brinkmöller erklärte die Bedeutung der Präsenzkräfte-Qualifizierung für das Pflegenetz. „Wir arbeiten seit Jahren nach dem Hausgemeinschaftskonzept, wo die Menschen in familienähnlichen Gruppen zusammenleben.“ Gerade die Corona-Pandemie habe bestätigt, „dass wir mit unserem Konzept richtigliegen.“ In den Einrichtungen des Pflegenetzes habe es, „im Gegensatz zur Darstellung in Politik und Medien“, keine Isolierung gegeben. Im Gegenteil: „Die Gruppen haben in der Pandemie ganz anders zusammengefunden.“

Den Präsenzkräften, die vor allem im Alltag, jenseits der Pflege, den Bewohnern zur Seite stehen, kommt beim Hausgemeinschafts-Konzept eine tragende Rolle zu, genau wie den Betreuungskräften in der ambulanten Pflege und in der Tagespflege. Als „Alltagsbegleiter“ sind sie Ansprechpartner für die täglichen Dinge, unterstützen beim gemeinsamen Kochen oder bei täglichen Verrichtungen in der ambulanten Pflegeversorgung und in den Tagespflegen. Die Fortbildung beinhaltet Themen wie Gerontopsychiatrie, Sinneswahrnehmung im Alter, Umgang mit Demenz, Trauer und Tod, aber auch Erste Hilfe, Reanimation und juristische Aspekte der Tätigkeit. Inhalte aus der Richtlinie für Betreuungskräfte nach dem Sozialgesetzbuch-Paragrafen 43 wurden vor einigen Jahren integriert, so dass die Absolventen auch gleichzeitig die Anerkennung als Betreuungskraft erwerben.

Schulungsleiterin Martina Gemünd-Gericks betonte noch einmal die Bedeutung der Präsenz- und Betreuungskräfte für die Altenhilfe: „Das ist das, was wir in Zukunft brauchen – gemeinsam im Team mit den Pflegekräften.“ Ein neuer Kurs ist bereits in Planung. (pd/kre)