„Rotkäppchen“ ist eines der acht „Sommermärchen“, die jetzt in der Sonderausstellung des Spielzeugmuseum Max und Moritz in Rhede gezeigt werden. Foto: pd

RHEDE. „Sommermärchen heißt die neue Sonderausstellung im Spielzeugmuseum Max und Moritz. Museumsleiterin Eva Gutersohn hat ihre riesigen Bestände durchforstet und acht Inszenierungen geschaffen, die Motive der Gebrüder Grimm und anderer großer Märchenerzähler aus dem 19. Jahrhundert aufgreifen. Zu sehen sind – detailgenau und wieder mit viel Liebe zusammengestellt – Rotkäppchen, die Bremer Stadtmusikanten, Brüderchen und Schwesterchen, der Hase und der Igel, Aschenputtel, der Wolf und die sieben Geißlein, der gestiefelte Kater und der Froschkönig.

Eine besondere Beziehung hat die Museumsleiterin zu einer ihrer Lieblingspuppen: Ihr Vater schoss diese zu Anfang der 1950er Jahre bei der Soester Allerheiligenkirmes. „Das sind dann ganz besondere Erinnerungen an die Kindheit“, sagt die Rhederin. Sie präsentiert außerdem handgeschliffene Glasteller aus der Zeit um 1900, alte Terrakottafiguren, Figuren aus dem Erzgebirge aus Stoff und handgesägte aus Holz um 1920, Spielzeugmöbel, Porzellan für Kinder, viele Puppen und Stofftiere.

Eva Gutersohn macht zudem auf einen Scherenschnitt aufmerksam, der um 1890 gefertigt wurde. Auf ihm sind im „Märchenzug“ Figuren aus verschiedenen Märchen zu sehen, von den Bremer Stadtmusikanten über Schneewittchen bis zu Schneeweißchen und Rosenrot. In drei Vitrinen werden weitere Schätze gezeigt. Die Exponate sind fast alle 100 Jahre oder älter: Schnitte, Märchenszenen, Figuren, Schulwandbilder. Sie dienten früher sogar als Lernstoff: „Kinder sollten damit besser sprechen lernen“, sagt die Museumsleiterin und räumt mit einer Mär von Märchen auf: „Die waren in ihren Anfängen nur für Erwachsene bestimmt, erst später für Kinder.“ Das macht Sinn, auch wenn in Hänsel und Gretel später die böse Hexe verbrannt wird. „Für Kinder ist es wichtig, dass der Böse am Ende bestraft wird und alles gut ausgeht“, erläutert die Märchenexpertin.

Wegen der Corona-Pandemie war das Spielzeugmuseum ab dem 15. Februar geschlossen. Seit Anfang Juli ist es wieder geöffnet, allerdings gelten auch hier Einschränkungen wie Abstandsregeln und Desinfektionspflicht. Besuche sind zunächst nur nach telefonischer Anmeldung unter 02872 / 981 012 möglich.

Passend zur Ausstellung bietet Museumschefin Eva Gutersohn in den Sommermonaten Märchenlesungen an. Immer donnerstags ab 16 Uhr lädt sie dazu Kinder und Erwachsene ein. Auch dazu sind Anmeldungen erforderlich unter 02872/4785 oder 02872 / 981012. Das Museum, Auf der Kirchwiese 1, öffnet dienstags, mittwochs, donnerstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr. (pd/kre)